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Kunstsammler Achenbach muss 19 Millionen Euro Schadenersatz an Aldi-Erben zahlen

Der prominente Kunstberater Helge Achenbach muss 19,4 Millionen Euro Schadenersatz an die Familie des verstorbenen Aldi-Erben Berthold Albrecht zahlen. Er habe unberechtigte Aufschläge in Millionenhöhe kassiert, entschied das Landgericht Düsseldorf am 20.01.2015.

Die 6. Zivilkammer des Düsseldorfer Landgerichts hat im gestrigen Urteil  festgestellt, dass Achenbach bei Verkäufen von Kunstwerken und Oldtimern massive unberechtigte Aufschläge nach eigenem Ermessen auf den Kaufpreis erhoben hat.

Absprache über Ermessensspielraum soll es nie gegeben haben

Laut dem Urteil erwarb Achenbach für Berthold Albrecht 24 Kunstwerke für knapp 24 Millionen Euro sowie Oldtimer für 48 Millionen Euro. Nach den Berechnungen des Gerichts wurden hier knapp 19,3 Millionen Euro an Aufschlägen zu viel berechnet.

Der Erklärung Achenbachs, es habe eine mündliche Absprache gegeben, in welcher ein Ermessensspielraum vereinbart worden sei,  folgte der Richter nicht.
Richter Joachim Matz sagte, es bestehe kein Zweifel daran, dass es diese Absprache nicht gegeben hat. Darüber hinaus erklärte das Gericht,  kein wirtschaftlich einsichtiger Mensch und erst recht nicht eine Unternehmerpersönlichkeit, wie sie der Erblasser gewesen sei,  hätte  sich auf eine solche völlig undurchsichtige Preisgestaltung  eingelassen.
Gegen das Urteil ist die Berufung beim Oberlandesgericht möglich.

Parallel läuft ein Strafprozess in Essen gegen Achenbach

Mit dem Urteil hat Achenbach eine Niederlage im Zivilprozess erlitten; parallel läuft in Essen ein Strafprozess gegen ihn. Dort hatte er bereits ein Teilgeständnis abgelegt. Er gab zu,  bei einigen verkauften Kunstwerken nicht vereinbarte Aufpreise kassiert zu haben. Bei den Oldtimer-Verkäufen habe er Albrecht jedoch stets informiert. Insgesamt geht es in dem Strafprozess um 23 Millionen Euro, um die Achenbach die Erben betrogen haben soll. Neben Bildern von Künstlern wie Gerhard Richter, Pablo Picasso und Oskar Kokoschka soll er auch Ferraris und Jaguars vermittelt haben.

Bereits seit 7 Monaten in Haft

Achenbach, dem mehrere Jahre Haft drohen und dessen Firmen pleite sind, ist bereits seit  sieben Monaten inhaftiert. In einem kurzen Interview mit der Deutschen Presse Agentur sagte er,  er  sei entmaterialisiert  und nun wieder da angekommen, wo er 1973 als Sozialarbeiter angefangen habe. Achenbach hatte einst ein Jahrespraktikum in der Vollzugsanstalt Siegburg absolviert.

Die von den Klägern geforderten  Summen wird der Angeklagte vermutlich wegen  Zahlungsunfähigkeit  nicht aufbringen können.  Demnächst sollen Kunstwerke und Oldtimer versteigert werden: 6 Millionen Euro an Erlös erhofft man sich. In Anbetracht der Tatsache, dass insgesamt weitere knapp 100 Gläubiger Ansprüche in Höhe von 40-50 Millionen Euro an Achenbach  stellen, wäre der Erlös nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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