Allgemein

Journalistin deckt vermeintliche Missstände bei Zalando auf – Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft

Die Staatsanwaltschaft in Erfurt ermittelt aufgrund des Verrats von Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen gegen eine 21-jährige RTL-Reporterin, die drei Monate lang im Unternehmen Zalando verdeckt ermittelt hat.

RTL Reporterin schleicht sich bei Zalando ein

Die RTL Reporterin Caro Lobig ließ sich als Mitarbeiterin im Logistik Lager von Zalando in Erfurt einstellen und sammelte fleißig Informationen zu den Arbeitskonditionen des Unternehmens. Die Bilanz fiel nicht gut aus. RTL strahlte eine Sendung aus, in der dem Unternehmen zahlreiche arbeitsrechtliche Verstöße vorgeworfen wurden. Unter anderem sollen die Mitarbeiter an ihre physischen Grenzen gebracht worden sein, indem sie angewiesen wurden täglich bis zu 27 Kilometern im Lager zurückzulegen und das für einen Stundenlohn von 8,79 Euro.

Zalando zeigt die Reporterin wegen des Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen an

Zalando hat die RTL Reporterin wegen des Verrats von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen angezeigt. Daraufhin hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen eingeleitet. Zudem wirft das Unternehmen RTL vor, den Bericht ohne vorherige Information oder Gelegenheit zur Stellungnahme gesendet zu haben. Zalando-Sprecher Boris Radke sagte gegenüber dem „Handelsblatt“: „Wir müssen verhindern, dass unsere Prozesse und Systeme, die wir zum Teil auch selbst entwickelt haben, irgendwo auf Film verfügbar sind“.

Reporterin reicht Kündigungsschutzklage ein

Die Reporterin ließ die Anzeige nicht auf sich sitzen und reagierte mit einer Kündigungsschutzklage. Die Begründung: Mitarbeiter, die Missstände öffentlich machen, können nicht mit fristloser Kündigung bestraft werden.

Rechtliche Bewertung

Das ist grundsätzlich natürlich richtig. So merkwürdig es auch klingen mag, aber die verdeckt agierende Reporterin hat einen ganz normalen Arbeitsvertrag unterschrieben und die geforderte Arbeitsleistung erbracht. Insofern darf sie sich auch mit den ihr rechtlich zustehenden Mitteln gegen die fristlose Kündigung wehren. Ob eine solche Kündigung gerechtfertigt ist, ist immer eine Einzelfallentscheidung. Bei der Offenlegung von Missständen, wird es wohl bei der Abwägung darauf ankommen, ob der Arbeitnehmer zuvor versucht hat seinen Vorgesetzten darauf aufmerksam zu machen und das Problem intern zu regeln. Eine Rolle kann jedoch auch das öffentliche Interesse spielen, das in so einem Fall wie dem von Zalando durchaus gegeben sein kann. Schließlich ist auch denkbar, dass das Unternehmen zusätzlich zu seinem Recht fristlos zu kündigen, auch den Arbeitsvertrag an sich wegen arglistiger Täuschung anfechten kann. Die Reporterin hat bei Vertragsabschluss vermutlich nicht nur in Bezug auf ihren Namen falsche Angaben gemacht, sondern möglicherweise auch in Bezug auf ihren Lebenslauf.

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (3 Bewertungen, Durchschnitt: 4,67 von 5)

RSSKommentare (0)

Kommentar schreiben

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.