Allgemein

Illustration des Brockhaus Lexikonbandes mit Bild von Mario Adorf ohne Einwilligung zulässig

Bereits mit Urteil vom 28.04.2010, AZ: 9 O 19410/09 hatte das Landgericht München entschieden, dass ein Foto von Mario Adorf auch ohne dessen Einwilligung im Brockhaus Lexikonband veröffentlicht werden darf.Bei dem Schauspieler Mario Adorf handele es sich um eine sehr bekannte Persönlichkeit, die als Person der Zeitgeschichte angesehen werden könne. Demnach komme vorliegend ein Ausnahmetatbestand zur Anwendung, nach dem auch ohne Einwilligung des Dargestellten Bildnisse veröffentlicht werden dürften, wenn es sich um Bildnisse der Zeitgeschichte handele und berechtigte Interessen des Dargestellten nicht entgegenstehen.

Das Gericht führte aus:“… Der Kläger ist eine weithin bekannte Persönlichkeit, die sich in der Öffentlichkeit großer Beliebtheit erfreut. Der Kläger ist mithin als Person der Zeitgeschichte anzusehen. Als solche muss es der Kläger grundsätzlich hinnehmen, dass an seiner Person und seinem Wirken ein allgemeines und öffentliches Interesse besteht, welches die Presse unter Wahrnehmung ihrer Grundrechte auf Meinungs- und Pressefreiheit und unter Wahrung seines allgemeinen Persönlichkeitsrechts befriedigen darf. Die Beklagte verlegt mit dem Brockhaus ein Nachschlagewerk, das kurz über die biographischen Daten und das Wirken des Klägers informiert. Der Intim- oder Privatbereich seiner Persönlichkeitssphäre, der gesteigerten Schutzanforderungen unterliegen würde, sind im vorliegenden Fall nicht betroffen. Das Wie der Meinungsäußerung und Informationsverbreitung gehört zum Kernbereich der Presse- und Meinungsfreiheit. Dementsprechend genießt auch die Bildnisveröffentlichung entsprechenden grundrechtlichen Schutz. Mit der Entscheidung, ein Bild einer Person abzudrucken und in den Kontext eines bestimmten Berichts zu  rücken, nutzen die Medien ihre grundrechtlich geschützte Befugnis, selbst zu entscheiden, was sie für berichtenswert halten. … Sowohl durch Verwendung des Bildes des Klägers im Buchinneren, wie auf dem Einband nimmt die Beklagte mithin in rechtlich nicht zu beanstandender Weise ihre Grundrechte in Anspruch, ohne hierdurch rechtswidrig das allgemeine Persönlichkeitsrecht zu verletzen. …“      

 Quelle: Urteil des Landgerichts München vom 28.04.2010, AZ: 9 O 19410/09

Auch folgende Beiträge könnten Sie interessieren:

AG Donaueschingen: Kein Schadensersatz bei Veröffentlichung eines Badezimmer-Fotos

OLG Dresden: Abbildung einer nackten Bürgermeisterin auf einem Gemälde zulässig

Handwerker dürfen Fotos der Wohnung eines Kunden zu Werbezwecken nutzen

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)