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Google TV wird ausgebremst

Wenige Tage nach dem Verkaufsstart der ersten Google TV-Geräte in den USA, wird das ambitioniertes Projekt des Internetgiganten massiv von US-Fernsehsender ausgebremst.

Die führenden US-Networks ABC, CBS und NBC wollen ihr Fernsehprogramm für die neue Plattform blockieren oder tun dies bereits, wie das Wall Street Journal  in seiner Online-Ausgabe zu berichten weiss. Über das Internet abrufbare populäre US-Serien wie „CSI“ oder auch die Stromberg-Variante „The Office“ werden damit in Gänze auf den neuen Fernsehern nicht zu sehen sein.

Die US-Sender begründen ihren Schritt damit, dass Google kein befriedigendes Geschäftsmodell vorlegen kann und ihre hochwertigen Sendungen unter dem sonstigen im Netz verfügbaren Content untergehen könnten. Geräte die mit Google TV ausgestattet sind erlauben das Durchsuchen des gesamten Internets – die Videoangebote der TV-Sender wären dabei nur ein Suchergebnis von vielen. Zudem führe die freie Internetsuche per Google TV zu Trefferlisten, in denen die legalen Videoinhalte plötzlich in Konkurrenz zu illegalen Angeboten im Netz stünden.

In den vergangenen Monaten hatten zwar viele große US-Medienhäuser, wie HBO oder Turner Broadcast, ihre Filme und Websites an die neue Plattform Google TV angepasst, aber zum Teil keine eigene Applikation für den Abruf der von ihnen über ihre On-Demand-Angebote ins Netz gestellten Sendungen und Programminhalte von Google TV entwickelt. Die Internetseiten der Sender waren aber dennoch über den bei Google TV integrierten Chrome-Browser zumindest frei abrufbar. Wie eine Unternehmenssprecherin von Google mitteilte, bedauere das Unternehmen diese Entscheidung der US-Networks. Google TV ermögliche prinzipiell den Zugriff auf alle Netzinhalte, die man heute schon über den PC oder ein Smartphone abrufen kann, letztlich sei es aber die Entscheidung der Rechteinhaber, ob sie den Zugang der Fans zu ihren TV-Serien über Google TV beschränken wollen.

Die ersten Google TV-Geräte sollen in Europa im kommenden Jahr auf den Markt kommen, wie Eric Schmidt, der Vorstandsvorsitzende von Google, im Rahmen der Präsentation von Google TV auf der IFA in Berlin unlängst ankündigte. Dabei bleibt es abzuwarten wie die deutschen TV-Sender sich dem Hybrid-TV gegenüber verhalten werden.

Dass die zunehmende Verbreitung von Videos im Internet zur Gefahr für Free-TV-Anbieter werden könnte, machte zuletzt auch Anke Schäferkordt, Geschäftsführerin der Mediengruppe RTL Deutschland, im Rahmen der Medientage München deutlich. „Um nicht die Markenhoheit über eigene Angebote zu verlieren“, so Schäferkordt weiter „bieten die Sender der RTL-Gruppe über die weltweit populär Videoplattform Youtube bewusst keine Inhalte an.“ So betreibt, sowohl der Kölner Sender, als auch die ProSieben Sat.1-Gruppe jeweils eigene Videoportale um ihre Programminhalte auch im Netz zu verbreiten und vielleicht verloren gegangene Zuschauer zurückzugewinnen.

Hintergrund: Was ist Google TV überhaupt?

Die Grundidee von Google TV sieht vor, dass TV-Programm und Web-Dienst parallel genutzt werden können. So soll man eine Fernsehsendung ansehen, während dessen darüber twittern und gleich danach Videos von YouTube oder einer anderen Plattform aufrufen können. Dabei soll es auch eine Funktion geben, die automatisch Untertitel in jeder beliebigen Sprache generiert, so dass an sich jedes beliebige TV-Format – auch ohne entsprechende Fremdsprachenkenntnisse der Originalsprachfassung – gesehen werden kann. Google TV soll dabei in Fernseher, Blu-Ray-Player und Settop-Boxen integriert werden. Sie können dann auch über Smartphones mit dem Googles Betriebssystem Android gesteuert werden, und auf Handys abgespielte Videos landen direkt auf dem großen Fernsehbildschirm.

Quelle: The Wall Street Journal Online vom 22.10.2010.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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