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Ganzer Abi-Jahrgang durchgefallen – Haftung der Schule für Totalversagen der Schüler

An einer Schweinfurter Privatschule ist bei den Prüfungen zum Fachabitur der gesamte Abi-Jahrgang durchgefallen . Grund dafür ist offensichtlich die mangelhafte Ausbildung an der kostenpflichtigen Schule. Die Schüler haben nun grundsätzlich einen Anspruch auf Schadensersatz.

Die durchgefallenen Schüler können Schadenersatz geltend machen © ferkelraggae-Fotolia

Die durchgefallenen Schüler können Schadenersatz geltend machen © ferkelraggae-Fotolia

Schlechte Vorbereitung auf die Abiturprüfung

An einer Schweinfurter Privatschule sind 27 Schüler zum Fachabitur angetreten. Die Prüfung bestanden hat keiner von ihnen. Dieses traurige Ergebnis ist das Resultat einer unzureichenden, aber kostspieligen, Ausbildung. So verlangt die Schule von jedem Schüler immerhin 1.680,- € im Jahr für ihren Unterricht.

Grundlage der Ausbildung ist der Schulvertrag

Für diesen Betrag verpflichtet sich die Schule durch den Schulvertrag gegenüber ihren Schülern zu einem sachgerechten Unterricht. Die Schüler können also erwarten, dass ihnen der Stoff zum Bestehen der Abiturprüfungen vermittelt wird. Werden diese Mindestanforderung unterschritten, beispielsweise dadurch, dass die Lehrkräfte irrelevanten Stoff vermittelten, so besteht grundsätzlich eine Pflichtverletzung der Schule aus dem Schulvertrag, die zum Schadensersatz verpflichtet. Das Verschulden seiner Lehrer hat sich die Schule zuzurechnen.

Schadensersatz ist auf die Rückzahlung des Schulgeldes gerichtet

Der Anspruch der Schüler ist dabei zunächst auf die Rückerstattung des gezahlten Schulgeldes gerichtet. Theoretisch möglich wäre auch die Geltendmachung eines darüber hinaus gehenden Schadens. Dieser könnte beispielsweise darin liegen, dass ein Schüler eine Ausbildungsvergütung aus einer konkret ins Auge gefassten Ausbildungsstelle wegen des fehlenden Abiturs nun nicht erhält. Die Berechnung eines solchen Schadens ist aber äußerst schwierig, da es sich insoweit nur um Vermutungen handelt.

Schüler müssen schlechten Unterricht beweisen

Ebenfalls problematisch stellt sich die Frage der Beweislast dar. Die Schüler müssten im Falle eines Gerichtsprozesses beweisen, dass die Abiturprüfungen gerade wegen des schlechten Unterrichts und nicht wegen eigener schlechter (Lern-)Leistungen nicht bestanden wurden.

Ein Fall für die Schulaufsicht

Neben möglichen zivilrechtlichen Auseinandersetzungen mit seinen Schülern und einem massiven Imageschaden, steht der Schule wohl auch eine Prüfung durch die Schulaufsicht und gegebenenfalls sogar eine Schließung der Schule bevor. Denn auch Privatschulen unterliegen als Ersatzschulen der Aufsicht staatlicher Behörden.

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (2)

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  1. Help4Help [Mobile] sagt:

    Warum verwundert mich die Verwunderung der durchgefallenen Schüler nicht? Hätten die Schüler nicht vor Antritt Ihrer Ausbildung die Leistungen der Privatschule testen oder zumindest einmal recherchieren können? Wie „blauäugig“ muss ein Mensch sein, um darauf hereinzufallen? Stelle man sich einfach einmal die triviale Frage: Warum ist eine Privatschule eine Privatschule?

  2. SCHULE funktioniert bei uns offenbar immer noch nach dem Nürnberger Trichter. Nu haben Schüler dummerweise den Schweinfurter Trichter erwischt.

    Da die Reife bei uns nur nach dem Nürberger Trichter beestimmt werden kann, wird den Schülern Unreife bescheingt – dem Meßinstitut merkwürdigerweise nicht.

    Als Ich-kann-Schule-Lehrer bleibt mir wieder einmal, darauf hinzuzweisen, dass unsere Unterrichtsvollzugsanstalten das Gegenteil von Schule sind. Da der Gesetzgeber SCHULPFLICHT vorgibt, müsste er natürlich erst einmal SCHULEN schaffen, wenn er sich nicht immer wieder nur lächerlich machen will.

    Nehmen wir mal an, eine Autowerkstatt arbeitet so, dass 27 Autos nicht durch den TÜV kommen. Irgendwie schaffen es dann zwei Besitzer zu Hause, selbst soweit an ihren Autos rumzubasteln, dass sie durch den TÜV kommen. Hätte da nicht DIE FIRMA ein Problem? Würden da wirklich Leute vor allem wissen wollen, mit wieviel Punkten die zwei Selbstbastler den TÜV geschafft haben?

    Als Ich-kann-Schule-Lehrer meine ich, wir haben in puncto schon lange den Bezug zur Realität verloren. Darüber kann in unseren Schulen nicht mehr nachgedacht werden, weil es nicht im Lehrplan oder anderen Vorschriften steht und weil Pädagogen offensichtlich nur noch mit Vorgabe denken können.

    Not amused

    Franz Josef Neffe

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