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Fußball per Live-Stream: Illegal oder nicht?

Nach der für viele deutlich zu langen Sommerpause steht an diesem Wochenende der Start der Fußball-Bundesliga auf dem Programm. Doch längst nicht alle Fußballfans kommen in den Genuss einer Dauerkarte ihres Lieblingsclubs oder entscheiden sich für kostenpflichtige Dienste wie Sky oder Liga Total. Einigen ist das Angebot an Fußballübertragungen im Free-TV jedoch auch zu dünn. Mittlerweile greifen daher immer mehr Internetnutzer zu Streams aus dem Internet, die auf speziellen Portalen von Privatpersonen in immer besserer Qualität zur Verfügung gestellt werden. Die berechtigte Frage vieler Nutzer ist dabei: Ist das Benutzen eines solchen Dienstes rechtswidrig oder nicht?

Zunächst ist zwischen den verschiedenen technischen Infrastrukturen zu unterscheiden. Auf der einen Seite stehen Portale, die ihre Streams direkt in den Browser einbinden. Daneben gibt es Dienste, die für die von ihnen angebotenen bzw. verlinkten Streams externe Software benötigen (etwa SopCast oder PPLive). Die letztgenannten Programme verwenden die sogenannte P2PTV Technologie.

Streams, die direkt im Browser angezeigt werden, stellen in der Regel keine dauerhafte Kopie auf dem Rechner des Nutzers her. Das Videomaterial wird nur flüchtig im Zwischenspeicher gelagert. Daher greift nach unserer Einschätzung – wie bei Portalen wie bspw. kino.to – die Ausnahmeregelung des § 44a UrhG, wonach flüchtige Kopien zur Übertragung in Netzen nicht rechtswidrig sind. Dennoch sind auch solche Dienste nicht unbedenklich, da der Nutzer nicht sofort erkennt, ob nicht etwa doch dauerhafte Kopien auf seinem Rechner angefertigt werden.

Die rechtliche Beurteilung der mit der P2PTV-Technologie laufenden Software stellt sich hingegen anders dar. Hier ist der Nutzer nicht nur Empfänger, sondern zeitgleich auch Sender des Streams. Auch wenn dieser Umstand dem Großteil der Nutzer wohl nicht bewusst sein wird, stellt diese Handlung unstreitig einen Urheberrechtsverstoß dar.

Ob das Streamingmaterial von inländischen Sendern wie Sky oder von ausländischen Anbietern stammt, ist im Zweifel unerheblich – in der Regel wird kein Sender einer öffentlichen Verbreitung per Internetstream zugestimmt haben.

Zwar werden bisher Rechtsverletzungen noch nicht in einem Umfang verfolgt, wie dies etwa bei Musikdownloads der Fall ist. Will man aber kostenpflichtigen Abmahnungen auch in diesem Bereich aus dem Weg gehen, ist der Abschluss eines kostenpflichtigen Abonnements jedoch vorzuziehen.

In unserem Videoblog haben wir für Sie die rechtliche Situation anschaulich und umfassend erläutert.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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