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Fristlose Kündigung eines Arbeitnehmers wegen einem nicht vorgelegten Krankenschein

Darf ein Arbeitgeber einen kranken Mitarbeiter fristlos kündigen, wenn er nach einer Arbeitsunfähigkeit von sechs Wochen nicht erneut eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegt?

Viele Arbeitnehmer glauben, dass sie sich nach einer Arbeitsunfähigkeit von mehr als sechs Wochen dem Arbeitgeber keinen Krankenschein mehr vorlegen brauchen. Schließlich entfällt dann die Lohnfortzahlung im Krankenschein und es gibt nur noch Krankengeld von der Krankenkasse.

Doch das ist ein verbreiteter Irrtum. Dies ergibt sich aus einem Urteil des Landesarbeitsgerichtes Sachsen-Anhalt vom 24.06.1996 Az. 3 Sa 449/95. Die Richter begründen das damit, dass der Arbeitgeber nur bei Vorlage einer ordnungsgemäßen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung hinreichend disponieren kann. Er muss wissen, wo er dran ist.

Wer dieser Verpflichtung trotz Abmahnung durch den Arbeitgeber nicht nachkommt, der muss unter Umständen mit seiner fristlosen Kündigung rechnen. Diese ist allerdings nur in besonders schweren Fällen zulässig. Im vorliegenden Fall hatte der Arbeitnehmer noch einmal Glück gehabt. Die Richter waren nachsichtig, weil er den Arbeitgeber auf dem Laufenden gehalten und sich über seine Pflichten geirrt hatte. Er war davon ausgegangen, dass er nur der Krankenkasse eine Bescheinigung des Arztes vorlegen muss. Darüber hinaus hatte er dem Unternehmen während der ersten sechs Wochen eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorgelegt gehabt.

Michael Beuger ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE. Er hat sich auf die Beratung mittelständischer Unternehmen aus der Bau-, Lebensmittel-, Kosmetik- und Werbebranche in allen wichtigen Wirtschaftsfragen, spezialisiert.

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