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Filmwirtschaft gegen Senkung des Rundfunkbeitrags

Der Rundfunkbeitrag sorgt weiter für Diskussionen: In einem offenen Brief an die Politik haben sich Kreativverbände der Filmwirtschaft gegen eine Senkung des Rundfunkbeitrags ausgesprochen.

In dem Brief, der sich u. a. an die Ministerpräsidenten der Länder richtet, fordern die Filmwirtschaftsverbände eine Alternative zur Senkung des Rundfunkbeitrags.

© Martin Schumann - Fotolia.com

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Senkung symbolischer Akt

So werde die Senkung des Rundfunkbeitrags um 30 Cent pro Haushalt lediglich als symbolischer Akt gesehen werden, ein finanzieller Vorteil ergebe sich für den Beitragszahler daraus nicht. Allerdings seien zusätzliche Investitionen für die Produktion fiktionaler Programme angesichts des steigenden Finanzbedarfs der Sender dringend notwendig, heißt es in dem offenen Brief.

Im fiktionalen Programmbereich seien in den letzten zehn Jahren weniger Filme in Auftrag gegeben worden und bei der Herstellung der Produktionswert pro Film um beinahe ein Drittel der Kosten gesunken.

Öffentlich-rechtliche Sender: Wirtschaftliche Marktmacht

Hersteller fiktionaler Programme seien überwiegend mittelständische Filmproduktionen, deren – oft einzige – Auftraggeber die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten sind, die damit eine dominierende wirtschaftliche Marktmacht besitzen. Drastische Kürzungen der Herstellungsbudgets, stagnierende oder sinkende Honorare, eine Reduzierung der Produktionstage bei gleichzeitiger Erhöhung der täglichen Arbeitszeit würden immer öfter Arbeitsverhältnisse am Rande der sozialen Verträglichkeit schaffen.

Zudem werde die Programmqualität aufs Spiel gesetzt und Innovationspotenziale blockiert, heißt es in dem Brief weiter. Auch würden die Sendeanstalten die Nutzungs- und Verwertungsmöglichkeiten der Filme erweitern, aber Einmalvergütungen mit alternativloser Abgabe aller weiteren Rechte seien weiterhin an der Tagesordnung.

Mehrbedarf angemeldet

ARD und ZDF haben in ihren Anmeldungen zum Programmaufwand für 2017 – 2020 einen Mehrbedarf von 337,5 Mio.€ angemeldet. Damit sollen ausgewogenere Vertragsbedingungen bei Fernsehauftrags- und Kino-Koproduktionen finanziert werden. Von diesem Mehrbedarf habe die KEF wegen nicht ausreichend nachgewiesener Berechnungen des Mehrbedarfs jedoch nur 75% genehmigt.

Die Verbände betonen jedoch, dass der angemeldete Mehraufwand berechtigt und erforderlich ist, um die Fehlentwicklungen der letzten Jahre umzukehren. Aufgrund des ermittelten Gebührenüberschusses von 542,2 Mio.€ fordere man deshalb, den angemeldeten Mehrbedarf unter Nachweis der Verwendung zu 100%, also mit 337,5 Mio.€, anzuerkennen. Weitere 200 Mio.€ sollten als Rücklage für den ab 2021 zu erwartenden finanziellen Mehrbedarf genutzt werden.

Rundfunkbeitrag nicht senken

Man plädiere dafür, den Rundfunkbeitrag nicht zu senken. Auch sollten die Mehreinnahmen nicht ausschließlich als stille Reserve für den immer wachsenden Finanzbedarf der Sendeanstalten genutzt werden. Die überschüssigen Mittel sollten den Sendeanstalten zweckgebunden für Programminnovationen überlassen werden.

Zu den Unterzeichnern gehören der Verband der Agenturen für Film, Fernsehen und Theater e.V. (VdA), der Bundesverband Regie e.V. (BVR), der Verband Deutscher Drehbuchautoren e.V. (VDD), die Kinosektion der Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen e.V., der Berufsverband Kinematografie e.V. (BVK), der Bundesverband Schauspiel e.V. (BFFS), die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft e.V. (SPIO) und der Verband Deutscher Filmproduzenten e.V. (VDFP). (COH)

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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RSSKommentare (2)

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  1. Patrick S sagt:

    Also in den letzten 10 Jahren sind die Filmaufträge zurückgegangen und der Produktionswert pro Film um ein drittel gesunken.
    In der gleichen Zeit sind die Einnahmen der ÖR um 1,5 Milliarden Euro gestiegen. (von 2004 6,85 Milliarden auf 2014 8,3 Milliarden Euro pro Jahr)
    Jetzt soll eine Steigerung von 337 Millionen Euro in vier Jahren den Filmemachern mehr Geld bringen? Das freundlichste was man dazu sagen kann ist das das sehr naiv ist.

    Wenn in den letzten 10 Jahren trotzt erheblicher mehr Mittel nichts bei den Filmemachern ankam dann wird von dem bisschen mehr Geld erst recht nichts ankommen. Das Geld wird wie die anderen Steigerungen einfach im System versickern.
    Ganz davon abgesehen das die Mehreinnahmen rechtlich gar nicht einfach so verteilt werden können. Die KEF berechnet den Finanzbedarf der Anstalten und man kann nicht einfach so davon abweichen. Das sollte auch bekannt sein!

    Wenn die Filmemacher mehr Geld wollen dann müssen sie sich dafür einsetzten das die ÖR ihre Mittel anders verteilen. Genug Geld ist im System vorhanden!

    Die ÖR schichten (genehmigtes) Geld von den Produktionen ins Personal. Das war die Entscheidung der Intendanten und der Rundfunkräte. Das ist z.B ein Grund für weniger Geld für die Produktionen. An diese Personengruppen sollte sich die Filmwirtschaft wenden und nicht Forderungen stellen die nicht (rechtlich) erfüllbar sind

  2. Michael K. sagt:

    Gerade auch beim Rundfunkbeitrag gilt die Devise: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“. Auf dass sich die Fleischtöpfe des ö/r-Rundfunks auch weiterhin mit den Zwangs-Beitragsmilliarden füllen mögen 😀

    Wie schön wäre es, wenn der Umfang des beitragsfinanzierten Fernsehens auf ein notwendiges Minimum (Information, Bildung) eingedampft wird (mit entsprechender Reduzierung der Beitragslast bzw. Umstellung auf eine Finanzierung aus dem Staatshaushalt), und man die Bespaßung der Massen den Privaten überlässt? Dann käme die deutsche Filmwirtschaft auch nicht mit so kruden Forderungen daher. Aber dann müsste man sich ja im internationalen Wettbewerb gegen ausländische Produktionen behaupten und bekäme vom Staatsfunk nicht mehr jeden Blödsinn abgekauft.

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