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Filmverbände fordern von ARD und ZDF Bekenntnis zum Kinofilm

In einer offenen Resolution haben sich insgesamt 14 Verbände aus unterschiedlichen Gewerken der Filmwirtschaft für einen verstärkten Einsatz der öffentlich-rechtlichen Sender für den Kinofilm ausgesprochen. 

Die Filmverbände befürworten das deutsche System einer staatsfernen Rundfunk-Finanzierung, jedoch entstehe dadurch eine besondere Verantwortung: So müsse neben der unabhängigen Bereitstellung von Informationen auch die Kultur einen angemessenen Platz in den Programmen finden, so die gemeinsame Erklärung.

Die Verlegung von kulturellen Programmpunkten in die Nachtschienen oder Spartensender könne dabei nicht als Erfüllung des gesetzlichen Auftrags gelten. Vielmehr gelte es, Kultur prominent zu präsentieren und so eine breite Nutzung zu ermöglichen, so die Forderung der Filmverbände. Denn der Kultur- und Bildungsauftrag ist die Rechtfertigung für die Haushaltsabgabe.

 

©-Victoria-Fotolia

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Kultur im Rückzug

Während der Bereich Information angemessen abgedeckt werde, haben die Sender in punkto Kultur den Rückzug angetreten, so die Kritik der Verbände. Davon sei vor allem der deutsche und europäische Kinofilm betroffen, die kaum noch zu Hauptsendezeiten ausgestrahlt werden. Lediglich in Filme mit einer „Primetime-Tauglichkeit“, die der Fernsehästhetik und Quoten und Sendelängen entsprechen, würde investiert werden.

Zudem werden vermehrt Budgets eingefroren, bzw. für mehrere Jahre eingestellt . Vor allem Kinofilme seien durch die Budgetkürzungen und Sparauflagen der Sender betroffen. Beim WDR und beim BR stelle man für die Beteiligung an Kinofilmen lediglich nur noch 3 bis maximal 5 Millionen Euro zur Verfügung, der NDR werde sich erst wieder ab 2015/2016 im Bereich Kino engagieren, die Degeto habe sich vollständig von Arthouse Filmen verabschiedet. 2011 habe die ARD insgesamt mit 16 Millionen Euro Kinoproduktionen gefördert, so die Meldung weiter.

Grundversorgung erfüllen

Nach Ansicht der Verbände ist dies kein hinreichendes Engagement für den deutschen Film. Man fordere ARD und ZDF daher auf, den Grundversorgungs-/Funktionsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu erfüllen, zu dem auch die Ausstrahlung von Kinofilmen gehöre. Der Kinofilm müsse seinen festen Platz als eigenes Format im öffentlich-rechtlichen TV-Programm haben, und nicht als im Filmtheater ausgewertete Variante fiktionalen Fernsehens, so die Meldung weiter.

Die unterzeichnenden Verbände und Organisationen fordern daher von den Programmverantwortlichen bei ARD und ZDF sowie den Rundfunkräten und den Rundfunkgesetzgebern der Länder, dass der deutsche und europäische Kinofilm im Programm der öffentlich-rechtlichen Sender wieder einen prominenten Platz findet.

Forderungen

Zudem fordern die Verbände eine dauerhafte Investition von 3,5% der Gesamthaushalte von ARD und ZDF in Kinofilme (Koproduktion, Lizenzerwerb, Filmförderung). Davon sollen mindestens 70% für Kinofilme deutschen und europäischen Ursprungs vorgesehen sein, so die Meldung weiter. Kinofilme sollen generell eine bessere Präsenz bekommen, jährlich sollten mindestens 8 Sendetermine in der Primetime für deutsche Kino-(Ko-)Produktionen vorgesehen werden, 12 weitere Sendetermine in der „Second“ Primetime (Beginn zwischen 22.15  und 22.45 Uhr). Die Beteiligung der Sender solle sich nicht vorrangig nach Quoten, sondern an der zu erwartenden künstlerischen Qualität orientieren.

Sollten die öffentlich-rechtlichen Sender einem kulturellen Schwerpunkt in ihren Programmen nicht nachgehen, würden sie somit nicht nur ihren Grundversorgungsauftrag vernachlässigen, sondern damit auch die verfassungsrechtliche Berechtigung ihrer gesicherten Finanzierung gefährden, so die Meldung weiter.

Folgende Verbände haben die Resolution unterschrieben:

Allianz Deutscher Produzenten – Film & Fernsehen, Sektion Kino, Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm – AG DOK, Bundesverband der Film- und Fernsehschauspieler – BFFS, Berufsverband Kinematografie – BVK, Bundesverband Produktion – BvP, Bundesverband Regie – BVR, Bundesvereinigung der Filmschaffenden-Verbände – Die Filmschaffenden, Deutsche Filmakademie, Förderverein Deutscher Kinderfilm, Interessengemeinschaft der unabhängigen deutschen Filmverleiher – DI – DIE INDEPENDENTS, Spitzenorganisation der Filmwirtschaft – SPIO, Verband der deutschen Filmkritik – VDFK, Verband Deutscher Drehbuchautoren – VDD, ver.di FilmUnion

 

 

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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