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Fiese Friese – Friseur darf bei missglückter Haarfärbung nachbessern

Wenn dem Friseur eine Haarfärbung misslingt, dann muss der Kunde ihm zunächst Gelegenheit zur Nachbesserung geben – und das in angemessener Frist. Das hat das AG München entschieden.

Was war passiert?

Eine Kundin hatte in einem Friseur-Salon im Münchener Glockenbachviertel unter Vorlage einer Fotografie der Bloggerin Xenia eine Friseurmeisterin mit der Ausführung einer bestimmten Haarfärbetechnik, der sog. Balayage-Technik, beauftragt. Das während der Prozedur gleichmäßig über den gesamten Kopf verteilte Haarfärbemittel hatte sich über zwei Stunden auf dem Kopf der Kundin befunden, bis ihre Kopfhaut massiv zu brennen und jucken begonnen hatte. Nach dem Ausspülen waren ihre Haare gleichmäßig dottergelb gewesen.

Die Friseurin habe das von der Kundin noch im Salon geäußerte Verlangen zur Beseitigung der inakzeptablen Haarschäden abgelehnt und wegen akuter zeitlicher Verhinderung keinen Alternativtermin angeboten. Die Friseurin war offenbar vielmehr vom eigenen Ergebnis begeistert und brachte ihre Begeisterung auch wiederholt zum Ausdruck. Um den Gelbstich zu beseitigen, hatte die Friseurin der Kundin sodann noch eine Silbertönung zur häuslichen Selbstanwendung mitgegeben.

Die Kundin zahlte im Anschluss für Friseurbehandlung samt Silbertönung einen Betrag in Höhe von stolzen 153 Euro und verließ geschockt den Salon. Der Gelbstich jedoch blieb. Das Haar habe durch die viel zu lange Einwirkzeit Schaden genommen und all dies habe über lange Zeit auch negative psychische Auswirkungen gehabt, so die Kundin, die daraufhin klagte.

Die Friseurin hingegen hatte vor Gericht vorgetragen, sie könne sich zwar nicht mehr daran erinnern, der Frau die Haare gefärbt zu haben, doch das Nacherfüllungsverlangen einer unzufriedenen Kundin würde sie niemals ablehnen. Sie habe aufgrund der Zahlung der ehemaligen Kundin und dem Umstand, dass sich die Frau bis Dezember nicht mehr mit ihr in Verbindung gesetzt habe jedenfalls davon ausgehen dürfen, dass die Frau mit der unterstellten Friseurleistung im Wesentlichen zufrieden gewesen sei. Ein Nachbesserungsverlangen sei hier auch nicht unzumutbar gewesen.

AG München gab Friseurin Recht

Ein sog. Schadensersatzanspruch statt der Leistung setze grundsätzlich voraus, dass dem Schuldner (hier die Friseurin) erfolglos eine angemessene Frist zur Leistung oder Nacherfüllung gesetzt wurde. Dem Verhalten der unzufriedenen Kundin vor Ort jedoch war eine Fristsetzung zur Nacherfüllung nicht zu entnehmen. Das Verlangen der Kundin erfülle nach Auffassung des Gerichts die Anforderungen an eine angemessene Frist zur Nacherfüllung nicht, da der Friseurmeisterin insoweit keinerlei „angemessene“ Zeit zur Beseitigung eingeräumt, sondern „lediglich“ ein sofortiges Handeln – und auch nur ein solches – verlangt wurde (Az. Urt. v. 24.01.2019, Az. 213 C 8595/18).

Aus dem Verhalten der Friseurin könne zudem eine ernsthafte und endgültige Verweigerung der Nacherfüllung nicht entnommen werden. Allein die Tatsache, dass die Friseurin auf das sofortige Beseitigungsverlangen der Kundin aufgrund einer akuten zeitlichen Verhinderung lediglich mit der Übergabe einer Silbertönung zur Eigenanwendung reagierte und der Kundin auch keinen Alternativtermin angeboten habe, stelle keine die Frist zur Nacherfüllung entbehrlich machende Nacherfüllungsverweigerung dar. Ganz im Gegenteil habe sich die Friseurin durch die Übergabe der Silbertönung gerade mit der angeblichen Mängelanzeige der Kundin auseinandergesetzt und versucht, dieser Abhilfe zu verschaffen.

Die Nacherfüllung sei der Kundin auch nicht unzumutbar. Dies wäre etwa nach mehreren fehlgeschlagenen Nachbesserungsversuchen der Fall oder wenn dem Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des Unternehmers besondere Bedeutung zukäme, etwa bei dauerhaften bzw. unabänderlichen körperlichen Eingriffen wie einer Tätowierung, so das AG München weiter. Das – gerade nicht dauerhafte oder unabänderliche – Färben oder Schneiden von Haaren stelle aber keinen mit einer Tätowierung vergleichbaren körperlichen Eingriff dar.

Da das Setzen einer angemessenen Frist zur Nacherfüllung weder unzumutbar noch aus anderen Gründen entbehrlich war und tatsächlich auch nicht erfolgt sei, würden werkvertragliche Mängelgewährleistungsansprüche der Kundin ausscheiden.

Und auch ein Schadensersatzanspruch aufgrund vertraglicher Nebenpflichtverletzung oder unerlaubter Handlung scheide aus, da eine Gesundheitsschädigung oder gar Körperverletzung nicht ausreichend dargelegt werden konnte.

tsp


Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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