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Die wichtigsten Fragen und Antworten zu den Rechten der Bahnfahrer während des Streiks

Die Lokführer Gesellschaft GDL hat einen der längsten Streiks der Geschichte angekündigt. Von Donnerstag bis Montag sollen alle Personenzüge still stehen. Die Bahnkunden müssen sich zwingend Alternativen suchen. Nicht wenige sind sehr verärgert über die Dauer des Streiks und die damit verbundenen Umstände. RA Christian Solmecke von der Kölner Kanzlei Wilde Beuger Solmecke klärt über die wichtigsten Fragen rund um die Rechte der vom Streik Betroffenen Bahnkunden auf.

Kann der Arbeitgeber bei einem Streik noch Pünktlichkeit verlangen?

Ja, es gibt keine gesonderte Toleranzgrenze im Streikfall. Arbeitnehmer sind verpflichtet sich auf vorhersehbare Widrigkeiten wie Staus oder Streiks vorzubereiten und rechtzeitig nach Alternativen zu suchen. Wer dies nicht tut, riskiert eine Abmahnung. Zumindest wird der Arbeitnehmer nicht auf Vergütung für die verlorene Zeit bestehen können. Das Verschulden liegt hier eindeutig auf seiner Seite. Lediglich bei Unvorhersehbaren Ereignissen kann die rechtliche Beurteilung anders ausfallen. Verhindern lassen sich die meisten Streitigkeiten mit dem Vorgesetzten, wenn dieser rechtzeitig informiert wird.

Was, wenn durch die Verspätung ein wichtiges geschäftliches Treffen nicht zustande kommt?

Solche Risiken gehören zum allgemeinen Lebensrisiko. Da die Streiks vorhergesagt werden, ist zu erwarten, dass die Arbeitnehmer sich sowohl um alternative Fortbewegungsmittel, als auch um die Verschiebung wichtiger Termin kümmern.

Bekomme ich als Kunde von der Bahn Schadensersatz?

Ja, Bahnkunden können ab einer Zugverspätung von 60 Minuten 25 Prozent des Kaufpreises für die Fahrkarte zurückverlangen. Ab 120 Minuten Verspätung kann der Kunde mit der Rückzahlung der Hälfte seines Fahrpreises rechnen.

Muss ich die Reise unter diesen Umständen überhaupt antreten?

Nein, wer vom Streik betroffen ist, kann seine Reise stornieren und sich den Preis für sein Zugticket erstatten lassen.

Was, wenn ich auf die Bahn angewiesen bin, um meinen Flug zu erwischen?

Grundsätzlich muss der Kunde auch hier dafür sorgen, dass er rechtzeitig auf andere Transportmittel umsteigt. Die Bahn kommt für den verpassten Flug nicht auf. Im Falle einer Pauschalreise, haftet aber unter Umständen der Veranstalter, wenn die Anreise zum Flughafen als Leistung im Pauschalpaket mit inbegriffen ist.

Kann ich von der Bahn Ersatz der Kosten für alternative Verkehrsmittel verlangen?

Unter bestimmten Umständen ist dies möglich. Wenn die geplante Ankunftszeit zwischen 0 und 5 Uhr liegt, dann kann der Kunde ein anderes Verkehrsmittel nutzen und bis zu 80 Euro Ersatz von der Bahn verlangen. Das gleiche gilt, wenn der Kunde ohne auf eine alternative zurückzugreifen nicht bis 24 Uhr am Ziel wäre. Die Bahn wird die Kosten allerdings nur erstatten, wenn diese dem Kunden tatsächlich keine Alternative bieten konnte.

 

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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