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Datenschutzrechtliche Bedenken – Hello-Barbie zeichnet Gespräche auf

Eine neue Barbie-Puppe könnte das Kinderzimmer erobern. Die Hello-Barbie verfügt über WLAN und zeichnet Gespräche auf, um Antworten via Cloud zu generieren. Das sorgt nicht nur Eltern, sondern auch Datenschützer. Die Anwälte der Campaign for a Commercial-free Childhood (CCFC) aus Boston sehen die berechtigte Gefahr, dass der Puppe gegenüber geäußertes von Werbetreibenden ausgenutzt werden könnte.

 

 

Die Puppe war schon immer und ist auch heute noch das wichtigste Spielzeug des Kindes. Darin sind sich zahlreiche Psychologen und Sozialpädagogen einig. Mit einer Puppe geht das Kind durch Höhen und Tiefen. Sie ist das Spiegelbild des Kindes. Mit ihr kann das Kind Erfahrungen des Alltags auf spielerische Art und Weise verarbeiten. Einer Puppe sollten Kinder alles anvertrauen können, denn sie ist gerade für Kinder eine Art von Vertrauensperson.

Hello-Barbie Puppe zeichnet Gespräche mit dem Kind auf

Und genau darin besteht die Gefahr der neuen Hello-Barbie Puppe. Die Puppe zeichnet die mit dem Kind geführten Gespräche auf und übermittelt sie an einen Cloudserver im Internet. Ein Partner des Herstellers Matell, Toy Talk will dann die Gespräche, ähnlich wie Apples Spracherkennung Siri, mittels einer Software auswerten, passende Antworten generieren und diese an die Hello-Barbie Puppe zurücksenden. Die vorhandenen Lautsprecher geben die jeweiligen Fragen oder Antworten dann an das Kind weiter.

Zum Weihnachtsgeschäft soll die Hello-Barbie zunächst in den USA in den Handel kommen. Die Aufnahmefunktion helfe dem Kind eine „einzigartige Beziehung aufzubauen“, so der Hersteller Matell. Mit Hilfe der Antworten sollen individuelle Vorlieben des Kindes besser Verstanden werden. Ganz anderer Ansicht sind dagegen Datenschützer und Anwälte der Campaign for a Commercial-free Childhood.

Unbewusste Manipulation des Kindes

Bei der Vorführung eines Prototyps durch den Hersteller Matell hatte die Puppe selbständig zahlreiche Fragen gestellt. Bei der Beantwortung der Fragen, wurden empfindliche Informationen über das Kind und dessen Interessen preisgegeben. Die Puppe kann nicht „nur“ eine richtige Konversation führen, sondern kann auch, basierend auf der zuletzt gegebenen Antwort, eine Folgefrage stellen. So wurden auch intime Informationen über familiäre Themen und Strukturen durch die Hello-Barbie Puppe aufgezeichnet und weitergeleitet.

Dadurch wird die Privatsphäre massiv gefährdet. Die Befürchtung, dass Kinder unbewusst manipuliert werden können, ist alles andere als unbegründet. Die gewonnenen Daten haben einen enormen Wert für Werbetreibende. Diese könnten die meist sehr privaten Informationen für „unfaire Marketingzwecke“ nutzen, so die Juraprofessorin Angela Campbell von der Georgetown University, Washington D.C. gegenüber der Washington Post.

Erhaltene Daten werden auch an Dritte weitergegeben

Anwälte der in Boston ansässigen Campaign for a Commercial-free Childhood (CCFC) machen nun mobil. Ziel ist es, die Produktion und Veröffentlichung der Barbie-Puppe zu stoppen. Hinweise zu Werbe- und Marketingzwecken habe die CCFC bereits in den Datenschutzrichtlinien von Toy Talk entdeckt.

Dort heißt es, dass Toy Talk Gespräche speichere und weiterverarbeite, um die eigene Spracherkennungssoftware zu verbessern. Daten werden zum Zwecke der Datenanalyse und Entwicklung ausgewertet. Auch an Dritte, die das Unternehmen bei der Spracherkennung unterstützen, werden Daten weitergegeben.

Eltern müssen per App Einverständnis erteilen

Toy Talk ließ bereits verlautbaren, dass Eltern wohl über eine App vor der Nutzung der Hello-Barbie Puppe eine Einverständniserklärung für das Mitschneiden der Gespräche abgeben müssen. Die Puppe wird voraussichtlich zunächst nur in den USA verkauft. (TOS)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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