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Datenschutz – Spotify will mehr private Nutzer-Daten

Spotify Nutzer werden zum gläsernen Menschen. Der Schwedische Musikstreaming-Dienst will  deutlich mehr über seine weltweit rund 75 Millionen Nutzer (davon 20 Millionen zahlende Kunden) in Erfahrung bringen. Die neuen Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen, denen man ab sofort beim Öffnen des Programms bis zum 19.09.2015 zustimmen muss, lassen aufhorchen. So werden zukünftig Informationen wie Kontakte, Fotos oder Mediendateien die auf dem Mobilgerät gespeichert sind erfasst.

Mit seiner neuen Nutzungs- und Datenschutzbestimmung räumt sich Spotify das Recht ein, deutlich mehr über seine Nutzer zu erfahren. So lautet es direkt zu Anfang der Datenschutzbestimmung unter Punkt 3.3: „Mit Ihrer Zustimmung erfassen wir Informationen, die Sie auf Ihrem Mobilgerät gespeichert haben. Dazu gehören Kontakte, Fotos oder Mediendateien.“ Auch werden Daten und Informationen über den aktuellen Standort erfasst.

Spotify erhält Zugriff auf Fotos, Kontakte, Mediendateien sowie Standort und Sensordaten

Abhängig von der Art des Geräts und den jeweiligen Einstellungen der Nutzer, räumt sich Spotify das Recht ein, auch auf Informationen zum Standort des Nutzers über beispielsweise die GPS-Daten des Mobilfunkgeräts oder andere Formen der Lokalisierung mobiler Geräte (z. B. Bluetooth) zuzugreifen. Ebenfalls können Sensordaten (z. B. Daten über die Geschwindigkeit von Nutzer-Bewegungen, beispielsweise, ob jemand läuft, geht oder unterwegs ist) erfasst werden.

Weitergabe auch an Dritte möglich

Die so gesammelten Daten einschließlich der personenbezogenen Daten können künftig auch mit Dritten, beispielsweise zu Werbezwecken, geteilt werden. So kann Spotify Informationen an seine Werbepartner weiterleiten, damit diese Nutzern Werbematerialien über Spotify zusenden oder maßgeschneiderte Inhalte präsentieren können, darunter auch entsprechende Werbung für Produkte und Dienstleistungen, die Nutzer interessieren könnten und um festzustellen, wie Nutzer mit Werbeanzeigen interagieren.

Immerhin garantiert Spotify, dass die weitergeleiteten Informationen anonymisiert werden (zum Beispiel durch Nutzung von Hashing) und keinen Bezug zur Identität des jeweiligen Nutzers herstellen. Laut eines Spotify-Sprechers soll sich die Weitergabe allerdings auf Kostenfreie Nutzer des Musikstreaming-Dienstes beschränken. Premium-Abonnenten seien davon nicht betroffen.

Öffentlicher Zugriff auf Wiedergabelisten samt Profilbild und Daten – auch über Suchmaschinen auffindbar

Seit dem 19.08.2015 räumen Nutzer zudem, sofern sie bereits den Bestimmungen zugestimmt haben, Spotify umfangreiche Nutzungsrechte an den eigenen erstellten Wiedergabelisten ein.

So lautet es in den neuen Datenschutzbestimmungen von Spotify hierzu: „Die von Ihnen angelegten Wiedergabelisten, und solche, denen Sie folgen, Ihre Aktivität im Rahmen der Dienste (z. B., was Sie hören, von Ihnen geteilte Musikstücke), vor Kurzem gehörte Künstler, Ihre Lieblingstitel, Ihre Lieblingskünstler und von Ihnen gepostete, hochgeladene nutzergenerierte Inhalte und/oder Beiträge zu den Diensten sind standardmäßig öffentlich. Wenn Sie eine Wiedergabeliste anlegen, wird diese Wiedergabeliste standardmäßig öffentlich angezeigt, das heißt, sie wird auch in Suchmaschinenergebnissen Dritter angezeigt und wird zusammen mit anderen öffentlichen Profildaten, wie Ihrem Bild und Namen und/oder Benutzernamen, angezeigt. Sie können Anwendungen Dritter auch den Zugriff auf Ihre E-Mailadresse, Ihren Abonnementsstatus, Standort, Geburtstag oder ähnliche Daten nach Anforderung durch diese Dritten gewähren.“

Nutzungs- und Datenschutzbedingungen nicht unüblich

Die genannten neuen Änderungen sind weitreichend, jedoch in der Praxis nicht unüblich. Andere Dienste wie Facebook haben sehr ähnliche, wenn nicht sogar noch weitreichendere Nutzungsbedingungen. Von den 75 Millionen Nutzern sind rund 55 Millionen kostenfrei dabei. Es ist verständlich, dass Spotify auch diesen Bereich, durch Werbung, finanziell nutzen möchte. Hier ist es wichtig gezielt und auf den jeweiligen Nutzer abgestimmte Werbung auszuspielen. Besonders wichtig erscheint dies für Spotify vor dem Hintergrund, dass seit Juni auch Apple in das Musikstreaming-Geschäft eingestiegen ist. Apple kam innerhalb eines Monats auf 11 Millionen Nutzer.

Umfassende Datenverarbeitung zu Werbezwecken

Spotify nutzt, wie erwähnt, die Daten seiner Nutzer in großem Maße um personalisierte Werbung zu schalten. Ähnlich der Problematik bei den Facebook Nutzungsbedingungen könnte es auch bei Spotify fraglich sein, ob den Nutzern dies hinreichend dargelegt wird. Oftmals ergibt sich aus Datenschutz- Klauseln nicht direkt welche Daten genau, in welchem Umfang und zu welchem Zweck verarbeitet werden. Dies wäre dann ein klarer Verstoß gegen den Datenschutz.

Zudem sind die Voreinstellungen nach der Eröffnung eines Accounts womöglich zu datenschutzunfreundlich. Sofern der Nutzer eine Reihe von Voreinstellungen deaktivieren muss, um seine Daten halbwegs zu schützen, widersprächen die Nutzungsbedingungen völlig den Regelungen des Datenschutzgesetzes, wonach die Einwilligung in die Verarbeitung von Daten ausdrücklich erfolgen muss, also im Opt-in Verfahren.

Kann ich als Nutzer die Sammlung meiner Daten unterbinden?

Ja und Nein. Spotify stellt ihnen als Nutzer Einstellungen zur Verfügung, die Ihnen die Auswahl, welche Mitteilungen Sie von Spotify erhalten-, wie Sie Ihre öffentlichen Informationen verwalten- und Ihre Präferenzen zur Weitergabe einstellen wollen, ermöglichen.

Jedoch sind bestimmte Informationen anderen Personen immer öffentlich zugänglich und diese Daten werden Dritten standardmäßig öffentlich bereitgestellt. Wenn Sie Daten an eine Anwendung eines Dritten übermitteln, sind diese Daten unabhängig davon, wie Sie Ihre Datenschutzeinstellungen eingestellt haben, auf Spotify sichtbar. Mit den Einstellungen Ihres Kontos können Sie immerhin festlegen, welche Informationen öffentlich zugänglich sein sollen.

Offen bleibt  vor allem die zentrale Frage, in welcher Form Spotify Nutzerdaten speichert und wie diese Daten intern verwendet und an Dritte weitergegeben werden. In jedem Falle sollten sich Nutzer die Zeit nehmen und in den Einstellungen die entsprechenden Funktionen ein- bzw auszustellen. (TOS)

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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