Allgemein

Bild.de mahnt Umgehung der Werbeblockersperre ab

Bild.de hat eine Werbeblockersperre installiert. Wer diese mit Hilfe von Filtereinstellungen umgehen will, dem droht Ärger mit dem Axel-Springer-Verlag in Form einer Abmahnung. Ein YouTube-Nutzer musste diese Erfahrung nun machen. Er hatte in einem YouTube-Tutorial darüber informiert, wie man die Sperre leicht umgehen kann. Doch der Verlag geht weiter: „Es stimmt, sagte Verlagssprecher Manuel Adolphsen, dass Bild in einzelnen Fällen Abmahnungen erteilt, wenn Firmen Anleitungen zur Umgehung der Anti-Adblocker-Initiative von Bild.de verbreiten. Wir berichten:

 

Vergangene Woche startete Bild.de die sogenannte Anti-Adblocker-Initiative. Wenn Sie als Nutzer einen Adblocker wie beispielsweise Adblock Plus verwenden, können Sie ab sofort nicht mehr auf das Angebot der Bild.de Seite zugreifen. Beim Besuch der Seite, werden Sie als Nutzer dazu aufgefordert, den Adblocker auszuschalten. Als weitere mögliche Variante erhalten Nutzer ein Angebot, für 2,99 Euro im Monat auf eine werbefreie Variante der Seite Bild.de zugreifen zu können. Wer beides ablehnt und weder seinen Adblocker ausschalten möchte, noch für den Seiteninhalt zahlen will, dem stehen ab sofort die Inhalte von Bild.de nicht mehr zur Verfügung. Doch es gibt Mittel und Wege dies zu umgehen.

Abmahnung wegen Verstoßes gegen § 95 a UrhG

Kurz nach Beginn der Initiative kursierten bereits Informationen im Internet, wie die Werbeblocker durch entsprechende Filterbefehle umgangen werden können. Ein YouTuber hatte in seinem Erklär-Video dargestellt, wie sich recht einfach die bereits vorhandenen Filterlisten durch hinzufügen eigener Befehle ergänzen lassen. Hierfür erhielt er postwendend eine Abmahnung der Rechtsanwaltskanzlei Lubberger Lehmet im Auftrag der Bild GmbH. Die Abmahnung enthielt die Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungserklärung sowie die Zahlung von Anwaltskosten in Höhe von fast 1.800 Euro. Dabei wurde der Gegenstandwert mit 50.000 Euro beziffert.

Die Herleitung eines womöglichen Urheberrechtsverstoßes ist dabei rechtlich durchaus einfallsreich. Denn angeblich stelle die Verwendung der Filterbefehle eine Urheberrechtsverletzung nach § 95 a des Urheberrechtsgesetzes dar.

§ 95 a UrhG bezieht sich hauptsächlich auf Kopierschutz-Systeme von Filmträgern

Dabei ist § 95 a UrhG eigentlich dazu da, den Urheber eines Werkes zu schützen, da mit den vielen Möglichkeiten, welche die Digitalisierung und das Internet den Urhebern zur Verwertung ihrer Werke heutzutage bietet, auch die Gefahr von Urheberrechtsverletzungen einhergeht. Hierbei denke man vor allem an die Umgehung eines DVD-Kopierschutzes, denn der Paragraph bezieht sich hauptsächlich auf Kopierschutz-Systeme von Filmträgern.

Der Urheber kann sich vor diesen Verletzungen rechtlich und technisch schützen. Hierzu werden „technische Maßnahmen“ eingesetzt, um Urheberrechtsverletzungen zu verhindern. Die Umgehung von Schutzsystemen und das Anbieten von Mitteln, die hierbei helfen, soll durch § 95 a UrhG rechtlich sanktioniert werden können. § 95 a Abs. 3 UrhG verbietet dabei auch Mittel, die hauptsächlich entworfen, hergestellt, angepasst oder erbracht werden, um die Umgehung zu ermöglichen oder zu erleichtern.

 Anwendung des § 95a UrhG auch auf Bild.de?

Ob der § 95 a UrhG auch auf den Schutz einer im Grunde genommen öffentlichen Internetseite Anwendung findet, ist jedenfalls mehr als zweifelhaft. Und dennoch: Sollte eine Anwendung des Paragraphen möglich sein, dann könnte der Axel-Springer-Verlag eine Möglichkeit gefunden haben, gegen die Adblock Anbieter, wie den Adblocker „Adblock Plus“ der Kölner Eyeo GmbH, vorzugehen, denn man kann durchaus der Ansicht sein, dass gerade die Adblocker, die auf der Nutzung von Filterbefehlen beruhen, es den Nutzern ermöglichen, den BILD-Webseitenschutz zu umgehen.

Bislang hatte der Springer Verlag in Streitigkeiten gegen Adblock-Anbieter stets den kürzeren gezogen. Das Landgericht Köln hatte jüngst entschieden und eine Klage der Axel Springer SE abgewiesen (wir berichteten). Nach Ansicht des Gerichts entscheiden die Nutzer des Werbeblockers selber darüber, ob die Software eingesetzt wird oder nicht. Das Angebot seitens Eyeo sei daher nicht als gezielte Behinderung oder allgemeine Marktstörung zu bewerten.

Vorgehen von Bild.de dient besonders der Abschreckung

Das resolute Vorgehen des Axel-Springer-Verlages in der aktuellen Anti-Adblocker-Initiative, lässt sich vordergründig insofern erklären, als dass man mit einer im typischen BILD-Stil medial breit inszenierten Abschreckungstaktik die gerade erst ins Leben gerufene Anti-Adblocker-Initiative nicht gefährden will. Anders kann das Vorgehen nicht gewertet werden, denn die Bezugnahme aufs Urheberrecht ist äußerst fragwürdig und fragil. Die an den YouTuber versendete Abmahnung jedenfalls nutzt die weitestgehend unklare Gesetzeslage. Nach wie vor eröffnen bestimmte Normen im Urheberrechtsgesetz ausufernde Interpretationsspielräume. Eine eindeutige rechtliche Einschätzung ist daher oftmals schwer.

Werbeblockersperre als „technische Schutzmaßnahme“ nicht ausreichend

Ob die in der Abmahnung formulierte rechtliche Auslegung der Bild-Anwälte vor Gericht halt finden würde, darf indessen ohnehin angezweifelt werden, nicht zuletzt da die Rechtsprechung in jüngerer Vergangenheit wiederholt zugunsten der Adblock-Anbieter entschieden hat und die Argumentation der BILD-Anwälte insgesamt „auf wackeligen Beinen“ steht. Doch das wird letztlich auch gar nicht das Ziel des Verlags-Vorgehens gewesen sein. Springer möchte den eigenen Standpunkt in dem schon länger währenden Streit um Adblocker festigen und die eigene Position durch ein schnelles, hartes vorgehen klar und deutlich untermauern.

Zwar stellt die Werbeblockersperre möglicherweise tatsächlich eine „technische Maßnahme“ dar, allerdings dient diese nicht dem Schutz eines nach dem Urheberrechtsgesetz geschützten Werkes. Das „Werk“ stellt BILD kostenfrei ins Internet, geschützt werden soll hier einzig die geschaltete Werbung auf der Seite.

Eine technische Maßnahme im Sinne des § 95 UrhG ist allerdings dann nicht gegen eine Umgehung geschützt, wenn die technische Maßnahme nicht dem Schutz eines nach dem Urheberrechtsgesetz geschützten Werkes, sondern vordergründig vielmehr dem eigenen wirtschaftlichen Interesse des Anbieters gilt. Fakt ist: Die kommerziellen Interessen des Anbieters werden nicht von § 95 UrhG geschützt! Schutzgegenstand der technischen Maßnahme ist hier allein die auf Bild.de vorhandene Werbung, nicht die Inhalte der im Übrigen an sich öffentlichen Seite.

Abschließend bleibt dennoch die Erkenntnis, dass der Axel-Springer-Verlag zunächst sein Ziel erreicht hat – Das Erklärvideo des YouTubers ist mittlerweile vom bekannten Videoportal verschwunden. (TOS)

In diesem Zusammenhang könnte für Sie folgendes Video ebenfalls von Interesse sein:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

Gefällt Ihnen der Artikel? Bewerten Sie ihn jetzt:

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (2 Bewertungen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

RSSKommentare (6)

Kommentar schreiben | Trackback URL

  1. Sascha sagt:

    Lächerlich was Axel Springer da anzieht.
    Meiner Meinung nach nur ein weiterer Schritt ins eigene Fleisch

    • Andrea sagt:

      hi Sascha

      genauso ist es! Und genau deswegen bin ich bereits auf den alternativen Adblocker UblockOriginal umgestiegen und habe Bild.de auf die Blacklist gesetzt!!

      Wer bitte braucht die Bild-Zeitung??
      Richtige Antwort: NIEMAND!!

      Weg mit diesem Schund in den Papierkorb oder noch besser: ins Altpapier!!

  2. Joachim sagt:

    Früher war es eben so, das man sich die Zeitschriften gekauft hat bzw. abonnierte. Da war das Internet mehr oder weniger nur als Werbung für die Zeitschriften gedacht.

    Dann kam man auf die Geschäfts-Idee mit Onlinewerbung Geld zu verdienen und somit die Druckkosten und Vertriebsaufwendungen zu sparen, indem man einfach die Artikel online stellt und mit Werbung finanziert. Man spart sich dadurch eben die Kosten für die Herstellung einer Zeitung.
    Das hatte natürlich Folgen für immer mehr Redaktionen, die somit immer mehr gezwungen wurden auch ihre Artikel online zu stellen, da immer weniger Zeitungen verkauft wurden und somit die Herstellung immer teurer wurde. Weniger Zeitungen = höhere Kosten bei der Produktion.

    Dieses Modell wurde jetzt durch das „Geschäftsmodell“ AdBlocker komplett ausgehebelt. Aber warum AdBlocker überhaupt so einen Einfluss nehmen konnte, liegt nur an der immer hemmungslosere und teils extrem nervige sowie unsichere Werbeblockbanner.
    Leider werden durch die teils dubiosen Werbebanner auch Schadsoftware auf den privaten Rechner übertragen. Und was dann Viren und Trojaner so alles anstellen können, wissen wir ja alle.

    Also nutzen jetzt immer mehr Leute den AdBlocker wegen der Sicherheit und der freieren Internetnutzung.

    Also gibt es jetzt wieder einen Wandel in der Medienwelt. Das Online-Bezahlmodel ohne Werbung(Und später dann wieder mit etwas Werbung ect.).
    Prinzipiell ist es ja nicht verwerflich Geld für seinen Artikel zu verlangen. Nun müssen eben die Onlineleser entscheiden, welche Artikel sie gerne lesen wollen und wie viel sie dafür bezahlen möchten.
    Das ist natürlich sehr schade für die Leser, aber auch die Redaktionen werden damit deutlich weniger Leser erreichen.

    Aber warum ist es soweit gekommen ? Liegt es einfach an der hemmungslosen und penetranten Nutzung von Werbebannern die komplett aus dem Ruder gelaufen sind und die Betreiber solcher Seiten einfach ihre Pflicht nicht nachgekommen sind, schädliche Werbebanner von ihrer Seite zu verbannen und diese Anbieter zu meiden ?

    Nun, so ein Bezahlmodel wäre sicherlich mal wieder der einfachste Weg für die Redaktionen und dem möchte man jetzt gehen.
    Statt die Leser dazu zu bringen ihren AdBlocker zu deaktivieren indem man die Werbung auf ein annehmbares und vernünftiges Maß reduziert, so wie es noch viele Seite im Netz machen und dort gerne auch die Leute ihren AdBlocker im Ausnahmezustand versetzen.
    So will es mal wieder andere Redaktionen geben, die einfach nur Geld von den Lesern haben wollen.
    Was sie dann lesen, ist wieder die berühmte Katz im Sack zu kaufen.

    Man könnte auch sagen, um so ein Boulevardblatt wie Bild ist es nicht schade. Aber sie setzten mit dieser Maßnahme ein Zeichen, wo andere Redaktionen folgen könnten.

    Ich persönlich habe nichts gegen Werbebanner aus zu setzten, solange sie mich nicht auf anderer Seiten umleiten oder Schadsoftware verbreiten.
    Naja, aber auf den Wunsche der Kunden hört ja bekanntlich kein Unternehmen mehr…

  3. vegiwhopper sagt:

    Absolut lächerlich!
    Gerade auf youtube wird täglich (!) millionenfach (!) gegen das Urheberrecht durch das Verwenden von urheberrechtlich geschütztem Material, wie beispielsweise Musik oder Kinofilme, verstoßen!
    Und? Kümmert sich da einer darum? Leider nein – die Kiddies wachsen alle in dem Bewusstsein auf, sie könnten wahllos ihre Lieblingssongs als Hintergrundmusik in ihren Videos verwenden oder Kinofilme parodieren. Die Eltern leben es ja auch noch meistens vor: Musik? Lad’s Dir doch bei youtube…
    Und youtube? Mit ihren offensichtlich wasserdichten AGBs verdienen die sich mit Hilfe der Klickzahlen eine goldene Nase!
    Warum traut sich hier keiner heran?
    Das müsste doch eine Goldgrube für die Anwältelobby sein!

  4. Andrea sagt:

    Außerdem ist zu sagen:

    in diesen Werbebannern auf der werten BLÖD-Zeitung wird Schadware im Auftrage der Bundesregierung zur TOTALÜBERWACHUNG ausgestreut!! Passt auf und habt die Augen offen. Bei mir habe ich die Tage mein Linux reparieren müssen wegen solchem Scheiß!!

    Deswegen: bei mir bleibt der Adblocker an, solange bis die Bundesregierung es kapiert hat, dass wir User uns NICHT von denene totalüberwachen lassen!!

    Darüber hinaus läuft über diese Werbebanner auch noch eine weitere Masche: die Verteilung von UEFI-BIOS-Trojanern wie LightEater und andere. Lest dazu mal was hier:

    http://www.heise.de/security/meldung/BIOS-Rootkit-LightEater-In-den-dunklen-Ecken-abseits-des-Betriebssystems-2582782.html

    Darüber hinaus wird die Woche mit Hilfe von GB noch eine fiesere Masche gestartet:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Grossbritannien-Entwurf-fuer-Netzueberwachungsgesetz-vorgestellt-2877521.html

    Ja da geht noch was viel fieseres ab! Darüber sollte wbs-Law mal berichten. Herr Solmecke, wir User brauchen dringend ihre Hilfe. Dieses Teil muss gestoppt werden und zwar sofort!! Mayday!!

  5. meier sagt:

    dan frage ich mich warum AVM nicht schon länsgt xxx youtuber verklagt hatt wegen bereitsellen einer ilegalen anleitung

    https://www.youtube.com/results?search_query=fritz+box+kindersicherung+umgehen

    weil das ist genau das selbe

    also wo ist nun der unterschied nur weil bild usw keine geld für werbung bekommt selber schuld weil wer die nutzer voll müllt der wird gefiltert

Kommentar schreiben

Mit dem Absenden des Kommentars erklären Sie sich mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden.

Jetzt unseren Newsletter abonnieren

E-Mail-Adresse eingeben und immer auf dem Laufenden bleiben:
×