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AG München: Verkauf unter Wert bei Privatauktionen zulässig

In einem aktuellen Urteil vom 09.05.2008 (Az. 223 C 30401/07) hat das LG München entschieden, dass bei privaten Verkäufen über eine Internetauktionsplattform der tatsächliche Wert des Verkaufsgegenstandes unterboten werden kann und ein solcher Verkauf unter Wert nicht sittenwidrig ist.

In dem zugrunde liegenden Sachverhalt hatte der Beklagte ein gebrauchtes Auto über die Internetauktionsplattform eBay verkauft. Mit der Einstellung des Angebotes wurde eine andere Person betraut. Aufgrund von Fehlern bei der Angebotseinstellung hat der Kläger das Fahrzeug nach Auktionsende für 100 €, und damit erheblich unter Wert, erstanden. Der Beklagte wollte als Mindestpreis noch 2.100 € für das Gebrauchtfahrzeug haben.

Das LG München erklärte, dass der Verkauf unter Wert bei Privatauktionen ohne Angabe eines Mindestangebotes grundsätzlich nicht sittenwidrig i.S.d. §138 I BGB sei. Schließlich sei der Sinn einer solchen Privatauktion, dass der Preis durch die Nachfrage zustande komme. Die Richter sahen daher durch den Verkauf unter Wert nicht das Kriterium der Sittenwidrigkeit erfüllt. Gerade im Hinblick auf die Privatautonomie sei ein Verkauf unter dem tatsächlichen Wert nicht zu beanstanden.

Ebenfalls sei ein wirksamer Kaufvertrag zwischen den Parteien zustande gekommen. Das LG München führte zum Thema Vertragsschluss bei Internetauktionen aus, dass ein verbindliches Angebot bereits durch das Einstellen des Angebotes auf die Auktionsplattform zustande komme.

Weiter erklärten die Richter, dass auch ohne die Angabe eines Mindestpreises ein bindendes Angebot des Beklagten vorliege. Schließlich sei der Kaufpreis zu Beginn der Auktion auch bestimmbar gewesen, da feststehe, dass das nach Zeitablauf höchste Gebot als Annahme des Angebotes gelte.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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