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AG DOK will „Gottschalk live“ durch Dokumentationen ersetzen

Seit seinem Wechsel zur ARD hat der sonst so quotenverwöhnte Thomas Gottschalk mit dem Desinteresse der Zuschauer zu kämpfen. Nun hat Markus Peichl, Gründer und Chefredakteur des Magazins „Tempo“, die Redaktionsleitung übernommen und will bis zur Sommerpause ein neues Konzept entwickeln – damit ab Herbst die Quoten steigen. Die AG DOK hat nun der ARD ungewöhnliche Unterstützung im Kampf gegen das Quotendesaster angeboten: anstelle von „Gottschalk Live“ solle man täglich ein dokumentarisches Format unter dem Titel „Mein aufregendstes Erlebnis“ ausstrahlen.

In einem offenen Brief an ARD-Programmchef Volker Herres hat die AG DOK (ein Zusammenschluss von mehr als 860 Autoren, Regisseuren und Produzenten) diesen Vorschlag unterbreitet. „Wir lassen Sie in der so genannten Todeszone vor 20 Uhr nicht allein!“ heißt es in dem Brief, der die Alternativlösung anbietet. Der Marktanteil von „Gottschalk live“ könne damit nur übertroffen werden, so die Ansicht der AG DOK. „Für jede Sendung unter 5% Sehbeteiligung brauchen Sie nur 50 % der Herstellungskosten zu tragen – für jeden Marktanteil über 5 % zahlen Sie das gleiche wie für eine „Gottschalk Live“ Sendung. Das bedeutet für Sie: Wir stellen uns mit Ihnen aktiv dem Quotendruck!“, heißt es in dem Schreiben weiter. Auf der Webseite der AG DOK betont man, das Angebot ernst zu meinen, auch wenn die Argumentation in dem offenen Brief eher augenzwinkernd endet: „Sie bekommen wiederholungsfähige Programm-Ware, werden den Makel los, den Dokumentarfilm schlecht zu behandeln und erfüllen ganz nebenbei sogar Ihren Programmauftrag – Sie können also nur gewinnen!“

 

Hier der Brief im Wortlaut:

 

ARD – Programmdirektion

-Herrn Volker Herres-

Arnulfstraße 42

80335 München

 

Offener Brief

Frankfurt, 22. Februar 2012

 

Sehr geehrter, lieber Herr Herres,

mit großer Sorge beobachten wir, wie Ihr neues Format „Gottschalk live“ zu einem Minderheitenprogramm verkommt. Doch trösten Sie sich: die Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm mit ihren mehr als 850 hochqualifizierten und hochmotivierten Mitgliedern und Mitgliedsfirmen lässt Sie in der sogenannten Todeszone vor 20 Uhr nicht allein!

Wir bieten Ihnen an, für den vermutlich bald frei werdenden Sendeplatz ein von der AG DOK gestaltetes tägliches dokumentarisches Format zu liefern. Für Sie bedeutet das: Nicht mehr über den Inhalt dieses in der ARD ungeliebten Sendeplatzes nachdenken zu müssen!

Aber unser Angebot geht noch weiter: für jede Sendung unter 5% Sehbeteiligung brauchen Sie nur 50 % der Herstellungskosten zu tragen – für jeden Marktanteil über 5 % zahlen Sie das gleiche wie für eine „Gottschalk Live“ Sendung. Das bedeutet für Sie: Wir stellen uns mit Ihnen aktiv dem Quotendruck!

Außerdem: Sie bekommen wiederholungsfähige Programm-Ware, werden den Makel los, den Dokumentarfilm schlecht zu behandeln und erfüllen ganz nebenbei sogar Ihren Programmauftrag – Sie können also nur gewinnen!

Wir haben die Staffel bereits durchgeplant – sie wird den Titel „Mein spannendstes Erlebnis“ tragen, und sobald Sie dafür grünes Licht geben, legen wir los.

 

Bitte rufen Sie uns an!

 

In tiefer Verbundenheit grüßt Sie

Ihre Arbeitsgemeinschaft Dokumentarfilm

i.A. Thomas Frickel, 1. Vorsitzender

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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