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AG DOK kritisiert neues Programmschema von ARTE

Bislang stand der deutsch-französische Kulturkanal ARTE für anspruchsvolles, unabhängiges und innovatives Fernsehen. Doch die vom Sender angekündigte Programmstrukturreform könnte der Aufbruch in die Beliebigkeit sein. Das hält zumindest die AG Dokumentarfilm für möglich, die zusammen mit den französischen Produzentenorganisationen SPI und USPA nun eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht hat.

Planmäßige Selbstzerstörung?

Für die AG DOK  stelle die Programmreform dabei den Höhepunkt einer bereits vor zwei Jahren begonnenen Abkehr von den Gründungsideen dar. Ein Alarmzeichen, so heißt es in der Erklärung, die eine weitere Popularisierung des Programms und eine Verwässerung des ursprünglichen Profils nach sich ziehen könnte. Hatte sich der Sender bislang von allen anderen Fernsehkanälen angenehm abgehoben, könne die beschlossene Neuordnung der Programmstruktur künftig einer „planmäßigen Selbstzerstörung“ gleichkommen.

Weiter heißt es in der Erklärung der AG Dok: „ARTE wurde gegründet, um das Zusammenwachsen der Völker und Kulturen Europas zu stärken. Heute, zwanzig Jahre danach, durchlebt dieses Europa eine seiner schwersten Krisen. In dieser Situation gewinnen die Gründungsideen von ARTE ganz neue Aktualität und eine enorme Bedeutung.“

 

Programmfarben zur Orientierung

ARTE hatte kürzlich ein neues Programmschema ab 2012 angekündigt, bei dem jeder Tag durch eine thematische Zuordnung dem Zuschauer eine klare Orientierung bieten soll. Am Wochenende soll eine betont kulturelle Note beibehalten werden, an den Abenden in der Woche hingegen sollen mit klar erkennbaren Programmfarben neue Strukturen geschaffen werden. Dazu gehören laut des Senders: „ u.a. ein Investigations-Abend, ein Fiction-Abend oder auch ein Autorenabend mit Dokumentar- und Kinofilmen.“

Des weiteren sollen mit transmedialen Formaten Fernsehen und Internet verbunden und das gesamte kreative Potential genutzt werden. Das ausgewogene Verhältnis zwischen den Genres Spiel- und Fernsehfilm, Dokumentarfilm und Dokumentationen, Musik/Theater/Tanz, bleibe dabei unverändert, so der Sender.

ARTE sieht die Veränderung des Programmschemas als Reaktion auf den Wandel in der Fernsehlandschaft und die komplette Umstellung auf eine digitale Ausstrahlung.

 

Sonderstellung gefährdet

Für die AG DOK ist es fraglich, mit welchen spezifischen Konzepten ARTE künftig sein europäisches Publikum erreichen will und wie man verhindern will, dass subjektive, künstlerische Formate künftig mehr ins Internet abgedrängt werden.

Außerdem heißt es in der offiziellen Erklärung: „Warum ist es den deutschen Senderketten ARD und ZDF erlaubt, aus dem ARTE-Budget Gelder zur Finanzierung des eigenen Programms und ihrer internen redaktionellen Strukturen herausziehen?“

Mit dem künftigen Vorhaben sei jedenfalls die anerkannte Sonderstellung des Senders und sein internationaler guter Ruf gefährdet, so die AG DOK.

Rafaela Wilde ist Partnerin der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und beratende Justiziarin des Film- und Medienverbands NRW e. V. Sie vertritt bereits seit Jahren erfolgreich die Interessen von Film- und Fernsehproduzenten gegenüber der Landesregierung NRW, den Fernsehsendern und anderen Wirtschaftspartnern.

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