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1.FC Köln kann sich Verbandsstrafe vom Randalierer zurückholen – Fan muss 20.000 Euro zahlen

Im ersten derartigen bundesgerichtlichen Urteil hat der Bundesgerichtshof am 22.09.2016 (Az. VII ZR 14/16) entschieden, dass sich ein Fußballverein, in diesem Fall der 1.FC Köln, die gezahlte Verbandsstrafe von randalierenden Fans zurückholen kann.

[UPDATE 29.03.2017]:  Das Oberlandesgericht Köln entschied am 09.03.2017, dass der Böllerwerfer circa 20.000 Euro an den 1.FC Köln erstatten muss. Der Rechtsstreit wurde zur Entscheidung über die Schadenshöhe von der höchsten Instanz an das OLG Köln zurückverwiesen. Alle weiteren Informationen finden Sie in dem unten verlinkten Video [UPDATE ENDE].

Der Böllerwerfer im Spiel 1.FC Köln gegen SC Paderborn

Hintergrund des Urteils war ein Knallkörper, der von einem Fan des 1.FC Köln im Spiel gegen den SC Paderborn am 09.02.2014 geworfen wurde. Bei der Explosion des Knallkörpers wurden damals sieben Menschen verletzt. Das Sportgericht des DFB verurteilte den 1. FC Köln daraufhin zur Zahlung von 50.000 Euro Geldstrafe sowie weiterhin zur Zahlung von 30.000 Euro für Präventionsmaßnahmen gegen Gewalt.

Derartige Verbandsstrafen sind verschuldensunabhängig und sollen Fußballvereine grundsätzlich dazu anhalten, die Sicherheit in deutschen Stadien zu gewährleisten.

1.FC Köln will sich die Strafe vom Randalierer erstatten lassen

Der 1.FC Köln hatte ursprünglich erfolgreich vor dem Landgericht Köln gegen den Randalierer auf Ersatz von 30.000 Euro geklagt. Dieses Urteil hielt allerdings nicht dem Berufungsurteil des Oberlandesgerichtes (OLG) Köln stand. Das OLG Köln wies die Klage ab. Das Gericht war der Ansicht, dass kein Zusammenhang zwischen der Pflichtverletzung aus dem Zuschauervertrag und der entrichteten Verbandsstrafe bestehe. Der Zuschauervertrag auf der einen- und die Stadionordnung auf der anderen Seite, hätten unterschiedliche Zwecke. Insbesondere diene der Zuschauervertrag nicht dazu, den Verein von Verbandsstrafen zu befreien. Das OLG Köln war also davon ausgegangen, dass die verhängten Vertragsstrafen randalierenden Fans nicht zurechenbar seien.

BGH sieht Zusammenhang

Der 1. FC Köln ging daraufhin in Revision und wandte sich an die Richter am Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Und die Richter gaben dem 1.FC Köln recht. Sie entschieden, dass Fans durchaus für die aufgrund der Fan-Randale dem Verein auferlegte Geldstrafe haften können. Die Richter entschieden nun erstmalig, dass es durchaus möglich sei, sich die Verbandsstrafe vom Täter selbst erstatten zu lassen. Demzufolge sei ein Zusammenhang zwischen dem Zuschauervertrag und der Stadionordnung durchaus festzustellen. Ein Zuschauervertrag würde zwischen dem Zuschauer und dem Veranstalter bereits zum Zeitpunkt des Ticketkaufs geschlossen. Darin verpflichte sich der Zuschauer unter anderem, Störungen für andere Besucher zu verhindern. Und: Den gleichen Zweck verfolge auch die Verbandsstrafe, so die BGH-Richter. Die Störung durch den Randalierer sei dabei sehr wohl ursächlich für die Verbandsstrafe. Damit verwies der BGH die Sache erneut an das Oberlandesgericht. Dieses soll nun die konkrete Höhe des ersatzfähigen Schadens feststellen.

Fazit

Vor allem Vereine, die in der Vergangenheit häufiger Probleme mit randalierenden Fans hatten, werden dieses Urteil wohlwollend zur Kenntnis genommen haben. Bislang konnten Störer im Stadion zwar bereits schon durchaus juristisch belangt werden. Der entscheidende Unterschied war jedoch, dass strafrechtliche und reguläre zivilrechtliche Folgen in diesen Fällen regelmäßig deutlich geringer ausfielen, als die vom DFB verhängten Strafen.

Nach dem Urteil des BGH müssen Randalierer künftig auch mit Strafen im fünf oder sechsstelligen Bereich rechnen. Ob die Vereine zudem in der Praxis eine finanzielle Erleichterung spüren werden, wird sich erst künftig zeigen. Die Vereine tragen weiterhin das Risiko, die Urteile auch vollstrecken zu können. Die Festsetzung der Straf-Höhe hängt weiterhin vom DFB gegenüber dem jeweiligen Verein ab. Somit wird es für Fans zu unkalkulierbaren finanziellen Schäden kommen. Ob der Wurf eines Knallkörpers den Fan später 10.000 Euro oder 100.000 Euro kosten wird, bleibt im Ungewissen.

Dennoch kann die Rechtsprechung dazu beitragen, das Fanverhalten nachträglich zu verändern. Trotzdem wird sich erst in Zukunft zeigen, ob sich randalierende- und gewaltbereite Fans von den Strafen tatsächlich abschrecken lassen und Übergriffe künftig im Stadion unterlassen werden. (LeP | TOS)

Mittlerweile hat das OLG Köln entschieden, dass der FC-Fan einen prozentualen Anteil an der Gesamtstrafe zu zahlen hat. Das Gericht errechnete 20.340 Euro. Alle Informationen zum Urteil des OLG Köln im folgenden Video:

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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