Abmahnung Filesharing

Pornoindustrie mahnt willkürlich Bittorrent Nutzer ab

Das Internet ist für die Pornoindustrie Segen und Fluch zugleich: Einerseits wird im Internet ein Großteil des Umsatzes generiert. Andererseits gehen die Gewinne wegen illegaler Downloads teilweise erheblich zurück. Einige Pornostudios mahnen jetzt anscheinend wahllos Nutzer von Tauschbörsen ab.

Die goldenen Zeiten der Pornoindustrie sind vorbei – die Einnahmen schmelzen dahin. Um die Verluste auszugleichen haben sich einige US-Pornostudios offensichtlich eine neue Masche überlegt: Sie sammeln IP Adressen von Bittorrent Nutzern und verschicken willkürliche Abmahnungen.

 

Dieser Vorwurf ist jedenfalls zurzeit Streitgegenstand eines Rechtsstreits, der im US-Bundesstaat Florida anhängig ist. Der Prozess wird als Sammelklage im Namen von 200.000 betroffenen Usern geführt und richtet sich gegen die Studios Malibu Media, Third Degree Films, Elegant Angel, K-Beech und Raw Films.

 

Nach Auskunft der Klägerin beschaffen sich diese Studios die IP-Adressen von den Nutzern der Tauschbörse offensichtlich mit einer Strafanzeige gegen Unbekannt. Im weiteren Verfahren würden dann die US-Gerichte des jeweiligen Bundesstaates die Internet Provider anweisen, die Adressen der Nutzer herauszugeben. Die Studios wenden sich dann mit dem Vorwurf an die Betroffenen Urheberrechtsverletzungen begangen zu haben um auf diese Weise abzukassieren.

 

Besonders brisant ist in diesem Zusammenhang, dass den Opfern am Telefon mit der öffentlichen Bloßstellung für den Fall gedroht, dass nicht freiwillig geleistet wird. Dabei werden die Betroffenen offensichtlich systematisch unter Druck gesetzt. Entsprechend der Anklageschrift würde in diesen Telefonaten etwa wie folgt gedroht: „Sie würden öffentlich wegen des pornografischen Downloads bloßgestellt und müssten hunderttausende US-Dollar Strafe zahlen, weil es sich um mehrere Filme handele“. Im Anschluss würde für den Fall einer freiwilligen Zahlung eine außergerichtliche Einigung in Aussicht gestellt. In der Klage wird den Studios unter anderem Betrug, Verleumdung und unrechtmäßige Bereicherung vorgeworfen. Der Anwalt der Betroffenen fordert Schadensersatz in Höhe von 10 Millionen US Dollar. Im Weiteren wurde sich insbesondere vorenthalten die Klage auf weitere Studios auszuweiten.

 

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Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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RSSKommentare (3)

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  1. D. Block sagt:

    Ach du meine Güte! Nur gut, dass es Ihrerseits so gute Berichte hierüber gibt.

    Daher: danke für diesen wertvollen Hinweis.
    Im Falle einer Datenschutzaufklärung werde ich ebenfalls solche Fälle mit einbeziehen bei meinen Erläuterungen zum Datenschutz der User.

    MfG D. Block

  2. Mastergenius [Mobile] sagt:

    Das erinnert doch schwer an einen Western, in welchem die Banditen ihr Geld mit Revolvern von der Bank abheben mussten…

  3. JEnsen sagt:

    …das ist ganz klassische Erpressung!!
    Solche Telefonanrufe können doch unmöglich legal sein!? Oder etwa doch??

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