Abmahnung Filesharing

Filesharing: Abmahn-Land Deutschland

In Deutschland scheint das Geschäft mit den Filesharing-Abmahnungen auch nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes gegen unseriöse Geschäftspraktiken weiterhin zu florieren. In anderen Ländern sorgt die hierzulande übliche Vorgehensweise der Rechteinhaber und Abmahnkanzleien dagegen überwiegend für Stirnrunzeln und Unverständnis.

Filesharing: Abmahn-Land Deutschland   © Nerlich-Images-Fotolia

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Filesharer nur Fans?

Während beispielsweise in den USA mutmaßliche Filesharer außergerichtlich zum Teil mit geringen Geldzahlungen in Höhe von 20 Dollar oder sogar nur mit einer Verwarnung davon kommen, gehen die Forderungen hierzulande regelmäßig in den 3 bis 4 stelligen Bereich.

Im Ausland sorgt dies auch deshalb für Unverständnis, weil es in vielen Fällen gerade die treuesten Fans trifft. Ein Beispiel dafür sind in den USA sehr erfolgreiche Serien wie Homeland. Hier werden in erster Linie diejenigen abgemahnt, welche nicht warten können, bis die neueste Folge offiziell auch im deutschen TV zu sehen oder auf legalen Streaming-Portalen oder DVD bzw. Blu-ray erhältlich ist. Gerade Versionen mit der englischen Orginalvertonung stehen hoch im Kurs und werden häufig von den einschlägigen Kanzleien abgemahnt.

Datenschutz in Deutschland zweitrangig

In Deutschland ist es Praxis, dass der Provider auf gerichtlichen Beschluss hin die Daten über den mutmaßlichen Filesharer herausgibt. Es besteht für den Anschlussinhaber keinerlei Möglichkeit, diesen Prozess, welcher im Vorfeld einer Abmahnung stattfindet, zu verhindern – im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten. Auch die Tatsache, dass es sich aufgrund der Masse von Daten praktisch um einen automatisierten Ablauf handelt, sorgt im Ausland für Verwunderung. Eine individuelle Betrachtung der einzelnen Fälle durch den jeweiligen Richter vor dem Beschluss findet hierzulande nicht statt.

Weiterhin lukratives Geschäft für Rechteinhaber und Abmahn-Anwälte

Trotz des Inkrafttretens des Gesetzes gegen unseriöse Geschäftspraktiken scheint sich das Geschäft mit den Filesharing Abmahnungen sowohl für die Rechteinhaber als auch für die Abmahnkanzleien also weiterhin zu lohnen. Auch an der Außenwahrnehmung Deutschlands als Abmahn-Land dürfte sich daher in Zukunft wenig ändern.

Felix Rüther ist für die Prozessführung in den Streitigkeiten zuständig, die einen Bezug zum Internetrecht haben. Er war 2012 im sogenannten Morpheus-Verfahren vor dem BGH beteiligt, bei dem die Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE einen entscheidenden Sieg gegenüber der Abmahnindustrie errungen hat.

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RSSKommentare (5)

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  1. Flu sagt:

    Damit ist ja tatsächlich alles gesagt: Abmhan-Land Deutschland und Abmahn-Wahn Deutschland. Wann unternimmt die Politik endlich etwas dagegen?

  2. Klaus Fricke sagt:

    Man könnte fast behaupten, das an einer Abmahnung klammheimlich auch Provider und Richter Verdienen…Die einen weil Sie gegen Entgeld IP-Adresssen länger als erlaubt speichern und herausgeben, die anderen weil Sie ungeprüft Beschlüsse durchwinken. Schöner Deutsch-Korrupter Rechtsstaat…..

  3. C.Wolf sagt:

    Hallo Herr Solmecke,

    mit erstaunen habe ich Ihren Artikel bezgl.der niedrigen Strafandrohungen im Ausland aufgenommen.

    Als rechtlicher Leihe frage ich mich daher, wie es zu dieser Diskrepanz im Wert des Rechtsgegenstandes kommen kann und ob es hier nicht die Möglichkeit gibt die abmahnenden Kanzleien zu einer Darlegungspflicht zu zwingen, die unterschiedlichen Werte zu begründen.

    Immerhin befinden sich bei einen erheblichen Teil der abgemahnten Werke die Muttergesellschaften, der hiesigen Rechteinhaber, in den USA.

  4. Andrea sagt:

    @ all

    zu diesem Fall wollte ich euch wissen lassen, dass hier von Seiten der EU bereits ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet wurde und die Bundesregierung Zeit für eine Stellungnahme bis Februar 2015 hatte. Lest mal hier:

    https://www.wbs-law.de/abmahnung-filesharing/filesharing-massenabmahnungen-eu-fordert-deutschland-zur-stellungnahme-auf-58186/

    Von daher würde ich gerne mal wissen, ob es hier schon einen blauen Brief aus Brüssel mit einem saftigen Strafgeld gegeben hat.

    Darüber hinaus hat der Europäische Gerichtshof ja Safe-Harbour gekippt und ich bin gespannt, ob die Neuauflage auch wieder dort landen wird. Zusätzlich ist es so, dass GB wohl auch hinter dem Anschlag auf das Flugzeug in Ägypten steckt. Nicht anders ist dieses Verhalten von GB zu erklären:

    http://www.heise.de/newsticker/meldung/Grossbritannien-Entwurf-fuer-Netzueberwachungsgesetz-vorgestellt-2877521.html

    Würde mich nicht wundern!!

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