Abmahn-App – Auswertung deiner Antworten

1. Ich poste Fotos von meinen Lieblingsschauspielern/-sängern oder anderen Prominenten.

  • Ja klar, schließlich will ich meinen Freunden zeigen, was ich gut finde. + 10 Grad
  • Ich poste die Fotos nicht selbst, teile aber oft Fotos von Fanpages. + 5 Grad
  • Nein, das ist mir zu unsicher. + 0 Grad

Fotos von Prominenten zu posten ist gleich in doppelter Hinsicht ein Risiko. Zum einen wird dadurch das Recht des Fotografen an dem Bild verletzt. Fotos sind nämlich immer durch das Urheberrecht geschützt – entweder als Lichtbildwerk nach § 2 UrhG oder als einfaches Lichtbild nach § 72 UrhG.

Doch auch die Rechte des Prominenten können betroffen sein. Aufgrund des Rechtes am eigenen Bild (§§ 22, 23 KUG) darf jeder selbst entscheiden, ob Fotos, auf denen er/sie abgebildet ist, veröffentlicht werden dürfen. Fotos von Prominenten dürfen jedoch eher verbreitet werden, als Fotos von Privatpersonen. Grund dafür ist, dass sog. „Bildnisse aus dem Bereich der Zeitgeschichte“ nach § 23 Abs. 1 Nr. 1 KUG ohne Einwilligung des Abgebildeten veröffentlich werden dürfen. Hierunter fallen auch Fotos von Prominenten. Doch Vorsicht: nicht alle Fotos von Promis dürfen ohne Einwilligung verbreitet werden. Unzulässig sind Fotos, die in die Privatsphäre eingreifen, z.B. Paparazzibilder aus dem Privathaus des Prominenten.

Wer Fotos von Promis postet, geht also ein Risiko ein. Das Teilen von Fanpage-Fotos kann das Risiko, dass es sich um ein urheberrechtsverletzendes Foto handelt, verringern. Allerdings nur, wenn es sich um eine offizielle Fanpage des Prominenten handelt. Dann wird man in der Regel davon ausgehen können, dass die Weiterverbreitung des Bildes von der Einwilligung des Promis gedeckt ist.

 

2. Mein Titel- oder Profilbild suche ich mir in der Google-Bildersuche aus.

  • Nein, eigene Fotos finde ich irgendwie besser. + 0 Grad
  • Ja, dort gibt es einfach die größte Auswahl. Außerdem sind die Bilder ja frei im Netz verfügbar + 10 Grad
  • Manchmal schon, in der Regel nehme ich aber meine eigenen Bilder. + 5 Grad

Vorsicht bei Fotos aus der Google Bildersuche. Diese sind immer urheberrechtlich geschützt (s.o.) und dürfen nicht ohne Einwilligung des Fotografen auf Facebook veröffentlicht werden. Mit eigenen Fotos ist man daher immer auf der sicheren Seite.

 

3. Ich poste auf Facebook gerne Links zu Musikvideos auf Youtube.

  • Ich teile höchstens Videos, die einer meiner Freunde gepostet hat. + 5 Grad
  • Nein, weil ich nicht weiß, wie das bei Youtube mit den Urheberrechten aussieht. + 0 Grad
  • Ja klar, es ist ja nur ein Link. + 10 Grad

Wenn man einen Link zu Youtube bei Facebook postet, bindet Facebook das verlinkte Video automatisch in die Facebook Seite ein. Ob und wann man für dieses „Embedded-Video“ haftet, ist noch nicht genau geklärt. Denkbar ist aber, dass sich der Nutzer das Video „zu eigen macht“ und somit für Urheberrechtsverletzungen in gleichem Maße haftet, wie wenn er das Video selbst hochgeladen hätte. Ist das Video also ohne Einwilligung des Rechteinhabers auf Youtube gelandet, könnte auch der Facebook Nutzer, der das Video weiterverbreitet abgemahnt werden.

 

4. Nach einer langen Partynacht bin ich der erste, der die neuen Fotos bei Facebook hochlädt. Die Leute auf den Fotos habe ich nicht ausdrücklich gefragt, ob sie damit einverstanden sind.

  • Auf jeden Fall, Partyfotos sind immer witzig. Meine Freunde fragen mich ja auch nie, ob ich damit einverstanden bin. + 10 Grad
  • Fotos, auf denen meine Freunde zu betrunken aussehen lasse ich weg. Für alle anderen brauche ich ihre Einwilligung gar nicht. + 5 Grad
  • Nee, das lasse ich lieber. Man weiß ja nie, ob jemand was dagegen hat. + 0 Grad

Das Recht am eigenen Bild gilt auch im privaten Bereich. Man muss also auch die Freunde fragen, ob sie damit einverstanden sind, dass Bilder von Ihnen auf Facebook veröffentlicht werden. Das gilt für jede Art von Bild, auf dem eine Person erkennbar abgebildet ist.

Mehr zu Personenaufnahmen bei Facebook hier.

 

5. Wenn ich einen Link zu einer Seite poste, lasse ich das Vorschaubild weg.

  • Nicht immer, nur wenn mir das Vorschaubild nicht gefällt. + 5 Grad
  • Nein, wieso sollte ich? Das Bild ist schließlich so klein, dass es gar nicht geschützt ist. + 10
  • Ja, denn auch so ein kleines Bild hat Urheberrechtsschutz. – 5

Vor kurzer Zeit ist der erste Fall bekannt geworden, bei dem ein Facebook Nutzer wegen eines Vorschaubildes abgemahnt worden ist. Was viele Nutzer nicht wissen: auch ein so kleines Bild ist urheberrechtlich geschützt. Es darf daher nicht ohne Einwilligung des Urhebers weiterverbreitet werden. Wer auch hier auf der sicheren Seite sein will, entfernt das Vorschaubild, wenn er einen Link postet.

Mehr dazu in diesem Artikel.

 

6. Wenn Freunde mir Bilder aus dem Internet auf die Pinnwand posten, like oder kommentiere ich das eigentlich immer. Über die Urheberrechte mache ich mir dabei keine Sorgen.

  • Stimmt, schließlich habe ich das Bild ja nicht selbst gepostet. + 10 Grad
  • Nein, ich mache da lieber gar nichts. Nicht, dass ich nachher für das Bild verantwortlich gemacht werde. + 0 Grad
  • Ich lösche Bilder, die meine Freunde nicht selbst gemacht haben eigentlich sofort.  – 5 Grad

Vorsicht: ein Facebook Nutzer haftet nicht nur für die Inhalte, die er selbst postet. Unter Umständen haftet er nämlich auch für das, was ihm Freunde auf die Pinnwand posten. Zumindest dann, wenn er diesen Inhalt kommentiert oder liked und das Bild Urheberrechte verletzt, z.B. weil nicht auf den Fotografen hingewiesen wird oder das Bild ohne Erlaubnis aus der Google-Bildersuche kopiert wurde. Es ist nämlich denkbar, dass Gerichte das liken oder kommentieren als „zu eigen machen“ eines fremden Inhalts werten. Dies hätte zur Folge, dass der Nutzer direkt abgemahnt werden könnte.

 

7. Ich poste gerne Gedichte oder andere Texte aus dem Internet.

  • Nein, das lasse ich lieber. + 0 Grad
  • Ich poste höchstens Links zu interessanten Texten. + 0 Grad
  • Ja klar, das fällt doch immer unter das Zitatrecht. + 10 Grad

Gedichte sind urheberrechtlich immer als Sprachwerke geschützt. Bei anderen Texten kommt es darauf an, wie individuell sie gestaltet sind, um welches Thema es sich handelt und wie lang der Text ist. Als Faustformel gilt: kreative Texte (z.B. Kurzgeschichten) sind eher geschützt als praktische (z.B. Bedienungsanleitungen) und längere Texte eher als kürzere. Ist die Rechtslage unklar, im Zweifel lieber auf einen Post verzichten.

 

8. Ich denke, dass Fotos nicht immer urheberrechtlich geschützt sind. Wenn ich im Internet ein einfaches Foto von einem Baum oder einem Haus finde, darf ich das ja wohl auch auf Facebook posten.

  • Stimmt, denn so ein Foto könnte schließlich jeder machen. + 10 Grad
  • Falsch. Ein Foto ist immer geschützt, auch wenn es noch so banal ist. + 0 Grad
  • Fotos auf denen keine Personen zu sehen sind, darf man immer posten. + 10 Grad

Diese Aussage stimmt so nicht. Fotos sind immer durch das Urheberrechtsgesetz geschützt. Auch wenn es verwackelt oder unscharf ist.

Mehr zu Abmahnungen wegen Nutzung eines fremden Fotos hier.

 

9. Ich lästere auf Facebook gern über meinen Arbeitgeber.

  • Nein, es könnte ja sein, dass das doch irgendwie rauskommt. Ich will keinen Ärger riskieren. + 0 Grad
  • Schon, aber nur in privaten Nachrichten. + 0 Grad
  • Ja, das kann schon mal vorkommen. Was ich auf Facebook mache, ist aber ja meine Privatsache. Da kann sich der Arbeitgeber nicht einmischen. + 10 Grad

Auf Facebook über den Arbeitgeber lästern kann schnell eine Kündigung zur Folge haben. Was der Arbeitnehmer auf Facebook macht, ist nämlich nicht seine rein private Angelegenheit. Im Gegenteil: auch hier besteht eine Treuepflicht gegenüber dem Arbeitgeber. Wer öffentlich über den Arbeitgeber schimpft muss daher mit einer Abmahnung oder sogar mit einer Kündigung rechnen.

Mehr dazu in diesem Artikel.

 

10. Ich habe mein Profil so eingestellt, dass nur meine Freunde sehen können, was ich poste.

  • Stimmt, das geht ja auch sonst niemanden etwas an. + 0 Grad
  • Nee, das war mir bisher zu umständlich. + 20 Grad
  • Stimmt. Ich habe außerdem ohnehin nur weniger als 20 Facebook Freunde, die ich alle persönlich kenne. – 5 Grad

Viele Facebook Nutzer denken, dass sie dann, wenn sie ihr Facebook-Profil so einstellen, dass nur die Freunde darauf zugreifen können, keine Veröffentlichung vornehmen, wenn sie etwas posten. Das stimmt so pauschal gesehen nicht. Durch die Privatsphäreeinstellungen kann man zwar verhindern, dass Anwälte oder Rechteinhaber auf das Profil zugreifen können, um eine Rechtsverletzung zu dokumentieren.

An der rechtlichen Bewertung des Postens von Inhalten ändert man jedoch nichts. Ein durchschnittlicher Facebook Nutzer hat ca. 150 Freunde. Öffentlichkeit im Sinne des Urheberrechtsgesetzes ist aber jeder, der nicht mit demjenigen, der das Werk verwertet, durch persönliche Beziehungen verbunden ist (§ 15 Abs. 3 UrhG). Je mehr Personen das Werk zugänglich gemacht wird, desto weniger wird man so eine persönliche Beziehung annehmen können. Bei 150 Freunden muss man nach der derzeit geltenden Rechtslage wohl von einer Veröffentlichung ausgehen. Lediglich in Ausnahmefällen, also z.B. dann, wenn ein Facebook Nutzer nur mit 10 engen Freunden verbunden ist, kann man eine öffentliche Zugänglichmachung von Inhalten durch das Posten ausschließen.

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und inbesondere in den Bereichen des IT-, des Medien- und des Internetrechts tätig. Darüber hinaus ist er Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen in diesen Bereichen.

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