Abmahnung Filesharing

Streaming als Alternative zum Filesharing von Musik und Filmen aus dem Internet

Das Streaming von Musik oder  Filmen aus dem Internet wird immer beliebter. Das hat neben technischen auch rechtliche Gründe. Denn beim Upload und Download von geschützter Musik oder Filmen müssen Sie zumindest mit einer Abmahnung wegen einer Urheberrechtsverletzung rechnen. Worauf Sie achten sollten.

Viele Verbraucher suchen nach Alternativen zu dem Kauf von Musik- CDs beziehungsweise Filmen. Da bieten sich zwei kostenlose Möglichkeiten an: Entweder Filesharing der Stücke oder die Nutzung eines Streaming-Dienstes.

Vor dem Filesharing von geschützter Musik und Filmen kann dabei nur ausdrücklich abgeraten werden: Denn das Ziehen – und aufgrund der Nutzungsbedingungen zwangsläufig erfolgende – Verbreiten von geschützten Dateien über eine Tauschbörse im Netz stellt eine Urheberrechtsverletzung dar. Diese wird nahezu immer von den Rechteinhabern aufgedeckt, die dazu spezielle Dienstleister einsetzen. Aufgrund der festgestellten IP Adresse wird dann der jeweilige Anschlussinhaber ermittelt. Dieser erhält dann eine teure Abmahnung und muss zumindest für die Kosten der Rechtsverfolgung aufkommen. Unter Umständen muss er auch noch Schadensersatz für die verbotene Nutzung leisten und mit einer Strafanzeige rechnen.

Beim Streaming sieht die Situation anders aus. Das hängt damit zusammen, dass hier normalerweise keine dauerhafte Kopie auf der Festplatte des jeweiligen Rechners angefertigt wird. Vielmehr wird die Datei nur flüchtig im Arbeitsspeicher hinterlegt. Ob hierin eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, ist bislang nicht geklärt. Es gibt leider noch keine Grundsatzentscheidung eines Gerichtes hierzu. Nach unserer Rechtsaufassung wird bei Streaming durch den Nutzer keine Verletzung des Urheberrechtes begangen. Denn die Vorschrift des § 44a UrhG erlaubt vorübergehende Vervielfältigungshandlungen, die flüchtig oder begleitend sind. Dies gilt jedenfalls für den privaten Gebrauch.

Allerdings müssen Sie auch beim Streaming vorsichtig sein. Sie müssen drauf achten, dass dabei nicht dauerhafte Kopien auf Ihrem PC angefertigt werden. Sonst müssen Sie dennoch mit einer kostspieligen Abmahnung wegen eines Verstoßes gegen das Urheberrecht rechnen. Dazu hilft es, wenn Sie sich das „Kleingedruckte“ in den Benutzungsbedingungen sorgfältig durchlesen. Darüber hinaus enthalten manche Streaming Webseiten auch Links, die zu kostenpflichtigen Angeboten von Drittanbietern in Form von sogenannten Abofallen führen.

 

Weitergehende Informationen enthalten Sie hier:

 

Christian Solmecke ist Partner der Kanzlei WILDE BEUGER SOLMECKE und Autor zahlreicher juristischer Fachveröffentlichungen im Bereich Internetrecht und IT-Recht. Darüber hinaus ist Rechtsanwalt Solmecke Lehrbeauftragter der FH Köln für Social Media Recht.

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RSSKommentare (38)

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  1. Thomas sagt:

    Ähnliches haben Sie ja schon einmal in einem ZDF-Bericht hinsichtlich kino.to gesagt. Folgende Fragen fallen mir dazu ein:
    Wie gehen diese “Dienstleister” genau vor? (Stichwort: Datenschutz, IP-Speicherung)
    Wie soll ein Nachweis der dauerhaften Kopie auf dem betreffenden Rechner denn erfolgen?

    Gruß
    Thomas

    • Das ist eine gute Frage. In der Tat ist es derzeit für die Rechteinhaber quasi unmöglich, an die IP-Adressen der Streaming-Nutzer zu kommen. Diese Adressen werden – wenn überhaupt – nur beim Streaming-Dienst gespeichert. Der ist jedoch ohnehin der Übeltäter und kann nur in den seltensten Fällen ausfindig gemacht werden. Ist die IP-Adresse einmal herausgefunden worden, dann können die Rechteinhaber die temporäre Kopie dadurch beweisen, dass sie das Streaming einmal selbst nachvollziehen und somit die allgemeine Technologie des Streaming-Dienstleisters beschreiben.

  2. Jochen sagt:

    Ich habe eine andere Frage: Wie kann es sein, dass Sie – nach eigenen Angaben – 11.000 P2P-Verfahren betreuen, aber bis heute keine einzige, wirklich brauchbare Gerichtsentscheidung vorzuweisen haben?

    Auf diese Frage würde mich Ihre Antwort wirklich freuen

    • Hi Jochen,
      von unseren 11.000 Mandanten sind bislang nur 30 verklagt worden. Einige Prozesse haben wir komplett gewonnen, in einigen Prozessen haben wir uns geeinigt und teilweise sind wir auch der Gegenseite unterlegen. Letztlich ist die Anzahl der gerichtlichen Verfahren allerdings sehr gering. Das kann sich in Zukunft jedoch jederzeit änder.

      • Lisa sagt:

        Sehr geehrter Herr Solmecke,

        ich habe ein paar dringende Fragen. Ich wäre Ihnen sehr dankbar für eine Antwort.

        1. Gibt es eine “Zielgruppe” (z.B. Alterspanne, Zahlungsfähigkeit etc.), welche häufiger als andere angeklagt wird? Wie oft war der Filesharer ein minderjähriges Familienmitglied?

        2. Nach wie vielen Jahren wird eine Klage unwahrscheinlich? Wie oft wurden Abgemahnte noch nach 2 Jahren verklagt?

        3. Wie hoch sind die Gerichtskosten verglichen mit den Entschädigungskosten der Gegner? Sind sie so hoch, dass selbst wenn die Forderung auf ein Zehntel reduziert wird, dennoch ein erheblicher finazieller Verlust für den Angeklagten entsteht aufgrund der Gerichts- und Anwaltskosten?

        4. Wie oft hat man sich außergerichtlich geeinigt? Welche Kosten entstehen?

        5. Wie viele Klagen erwarten Sie in der Zukunft?

        MfG

        • 1. Nein
          2. Nach drei Jahren
          3. siehe rvg.pentos.ag
          4. das kommt ganz auf die jeweilige gegnerische Kanzlei an. Dazu kann man keine pauschale Aussage treffen.
          5. siehe meine Antwort zu Punkt 4

          • Lisa sagt:

            Können Sie nicht noch ein wenig genauere Angaben machen?

            Bitte bei 1 zweite Frage noch berücksichtigen und bei 4 wollte ich nur wissen, wie oft man sich bereits schon außergerichtlich geeinigt hat. Wenn Sie keine genauen Angaben machen wollen / können, lassen Sie es mich ruhig wissen. Aber: Es ist nicht die Neugier, sondern die Angst, die mich fragen lässt.

            Liebe Grüße

          • In der Tat werde ich zu solchen Kanzleiinternas hier im Blog keine Angaben machen. Schon allein deshalb nicht, um nicht die Position unserer Mandanten zu schwächen…

  3. Thomas sagt:

    Eine temporäre Kopie braucht man ja eigentlich nicht nachweisen, denn so funktioniert nunmal das Streaming. Mich würde interessieren, wie jemand eine dauerhafte Kopie nachweisen will, wenn höchstens eine IP vorliegt.

    • Wenn die Streaming-Technologie eine komplette Kopie im Temp-Folder hinterlässt, dann dürfte diese Kopie – nach Ansicht vieler Juristen – schon als verbotene Dauerhafte Kopie zu werten sein. Und dann reicht wieder der allgemeine Nachweis zur Funktionsweise der Technologie.

      • Thomas sagt:

        Aber Sie sagen ja selbst, dass “normalerweise keine dauerhafte Kopie auf der Festplatte des jeweiligen Rechners angefertigt wird”. Als Streaming-Nutzer fällt einem nicht auf, ob jetzt der Arbeitsspeicher oder das Temp-Folder benutzt werden.
        Wie verhält es sich, wenn das Temp-Folder in regelmäßigen Abständen, beispielsweise beim Herunterfahren des PCs, geleert wird? Reicht es da schon aus, dass die Streaming-Technologie verwendet wurde und eine dauerhafte Kopie kurzzeitig existierte?

        • Ich gehe davon aus, dass die Gerichte jede vollständige oder teilweise Kopie, die dauerhaft auf dem Rechner liegt (auch im Temp-Folder), als illegale Kopie einstufen werden. Wird die Kopie nur für das Abspielen des Films benötigt und nach dem Abspielen gelöscht, könnte das schon anders aussehen. Das Löschen erst beim Herunterfahren des Rechners dürfte wohl zu spät sein. Das alles sind jedoch Rechtsfragen, die noch gänzlich ungeklärt sind und über die unter Juristen heftigst gestritten wird….

  4. Franz sagt:

    Vor dem Filesharing von geschützter Musik und Filmen kann dabei nur ausdrücklich abgeraten werden: Denn das Ziehen – und aufgrund der Nutzungsbedingungen zwangsläufig erfolgende – Verbreiten von geschützten Dateien über eine Tauschbörse im Netz stellt eine Urheberrechtsverletzung dar.

    Grundsätzlich dürfte diese Aussage zur heutigen Zeit nicht mehr gültig sein!!!
    Es gibt wirkliche Tauschbörsen-Clients die ein Download ohne die Verbreitung von Daten anbieten. Diese werden natürlich in der Community nicht gerne gesehen, aber sie existieren! Gerade für das bekannte und beliebte Bittorrent Netzwerk!

    Wieso wird denn da nicht mal angesetzt?
    Die stützen sich alle nur auf den Download von Daten und behaupten dann das diese zwangsläufig verbreitet werden?

    Mit welcher begründung?

    • Ja, diese Clients gibt es. Die Rechteinhaber behaupten allerdings, die Datei zumindest “angeladen” zu haben und möchten damit nachweisen, dass der Upload nicht gesperrt war. Allerdings vertreten wir auch Mandanten, die uns versichern, die Uploadmöglichkeit gesperrt zu haben. Insofern streiten wir oft ab, dass die Testdownloads überhaupt erfolgt sind…

      • Franz sagt:

        Aber wie will man das denn jetzt als betroffener wiederlegen?
        Ich meine ich kann ganz sicher Sagen, keine Upload möglichkeit anzubieten! Jedoch können die mir ebenfalls keinen Nachweis bringen, also wieso reden wir hier von Recht und unrecht, wenn beide Seiten keinen Nachweiß erbringen können.
        Wir Reden von Abzockwellen und nicht Abmahnwellen!

        Das ganze muss doch mal endlich aufhören!

        • Franz sagt:

          Ein Download von einer IP ist aus technischen Gründen bei einem Bittorrent Netzwerk nicht möglich. Ein Versuch also ein Download von einer .torrent Datei und der Aufruf dieser im Client öffnet dem Client den Zugang zu allen Quellen. Die Wahrscheinlichkeit bei genau z.B.: mir die Datei herunterzuladen ist schon sehr gering!

          Wieso stellt keiner diese Methoden in Frage?

        • Ggfs. hat man Zeugen dafür, die belegen können, dass der Upload gesperrt war. Oft haben ja mehrere Menschen einen Rechner benutzt.

          • Lisa sagt:

            Solche Zeugen findet man nie – und wenn dann sind ihre Berichte bedeutungslos!

            Warum?

            In diesem Fall könnte natürlich z.B. eine Person beteuern, der Upload war gesperrt. Da kommen aber neue Fragen auf: Woher wissen Sie das denn? Haben Sie die Software selber genutzt? Haben Sie selber urheberrechtlich geschütztes Material heruntergeladen? Haben Sie etwa gemeinsam heruntergeladen? Garantiert es, dass die Uploadfunkion immer gesperrt war? …
            Selbst wenn dem Glauben geschenkt wird – was dann? Dann stehen 2 Aussagen immer noch gegen die Aussage des Klägers. Und dann?

            Ein anderer klassischer Fall: Zeuge beteuert, dass der “Täter” zum Zeitpunkt nicht am PC gewesen ist. Was belegt das? Nichts! Die Software kann während eines Besuches laufen oder auf vom Betriebssystem durch die Funktion Aufgabenplanung plötzlich gestartet werden. Dafür benötigt es keine Anwesenheit des “Täters”!

            Es ist die reinste Verwirrung: Wie soll hier ein Richter überhaupt richtig urteilen? Ich denke bzw. befürchte, dass der Richter aufgrund seiner Unkenntnis dem Klager eher Recht spricht, weil dieser zuvor eingängig das Tauschbörsenprinzip erklärt haben mag. Und jetzt kommt der Angeklagte mit einer anderen technischen Aussage. Wer soll den Wahrheitsgehalt prüfen? Niemand kann es.

            Was den “Testdownload” betrifft, so kann ich nur zustimmen; Mir ist kein Tauschklient bekannt, welcher den geziehlten Download von einer IP genehmigt (bzw. andere Filesharer isoliert), es ist technisch wirklich nicht möglich. Doch das muss auch den Abmahnern bekannt sein, die Software wäre ansonsten ganz nichtsaussagend.

            Auch frage ich mich, wie man den Ursprung des Testdownloads zurückverfolgen kann. Letztendlich wurde sie ja (zumindest meistens) nicht vom Uploader selbst erstellt! Jede X-beliebige MP3-Datei vorzuzeigen und zu sagen: Das kam von Ihrer IP-Adresse! Ja gut, beweisen Sie es mir!? … Alle eventuell feststellbaren Infos entstammen nur dem Ersteller, also der Person, die sie ursprünglich unautorisiert veröffentlicht hat!?

            Letztendlich ist es ein großes Durcheinander, welches die Verschiedenheit der Urteilsausfälle erklären kann.

          • Aussage gegen Aussage nennt man im Ziviprozess “non liquet”. D.h., eine Sache konnte nicht bewiesen werden. Dann schließt sich die Frage an: Wer musste die Tatsache denn beweisen (das steht im Gesetz). Konnte er (zB der Rechteinhaber) den Beweis nicht erbringen, verliert er den Prozess.

  5. Michael sagt:

    Hallo,

    ich habe folgende Fragen:

    1.) Sie verweisen auf §44a UrhG, aus dem sich Ihrer Meinung für das Streaming keine Rechtsverletzung ableiten lässt.
    Meinem kenntnisstand nach wird dieser Paragraph aber immer dahingehend interpretiert, dass er sich auf temporäre
    Dateien bezieht, die im Zuge des Streamingverfahrens beim Vermittler entstehen. Damit sollen meinem Wissen nach die
    Provider aus der Schußlinie genommen werden, aber nicht die Nutzer (die ja nicht vermitteln). Ist das korrekt?

    2.) Beim Streamen handelt es sich unzweifelhaft um eine unkörperliche Vervielfältigung. Diese wird aber durch §15
    UrhG überhaupt nicht im Zusammenhang mit einem Nutzungsrecht erfasst, d.h. die Erteilung eines Rechts zur flüchtigen unkörperlichen Vervielfältigung durch den Urheber ist im UrhG gar nicht vorgesehen. Es gibt zwar die unkörperliche Verwertung (§15b), allerdings taucht hier der Begriff der Vervielfältigung nicht auf. Die Vervielfältigung ist nur in §15a im Zusammenhang mit der körperlichen Form der Verwertung genannt. Wäre daraus ableitbar, dass Streamen, was definitiv keine körperliche Form der Verwertung darstellt, wegen mangelnder Erfassung in §15 gar nicht in den Bereich des UrhG fällt? Auch deswegen, weil es – nach vorstehender Darlegung – zwangsläufig auch keine unrechtmäßige Nutzung im Sinne des §44a sein kann, denn wie kann man gegen ein Recht verstoßen, was im UrhG gar nicht als ein solches genannt ist?

    Vielen Dank für die Beantwortung.

  6. Michael sagt:

    Ergänzung: das im vorigen thread Gesagte betreffend der unkörperlichen Vervielfältigung tirfft natürlich nur dann zu, wenn der Browser-Cache uaf Null gesetzt ist und somit nicht eine – wenn auch zeitlich begrenzte – Kopie auf der Festplatte vorliegt. Letzters wäre dann in der Tat eine körperliche Vervielfältigung. Bei der “Unkörperlichkeit” spreche ich also nur vom Durchlauf der Daten durch das flüchtige RAM.

  7. Michael sagt:

    Hallo,

    ich habe folgende Fragen:

    1.) Sie verweisen auf §44a UrhG, aus dem sich Ihrer Meinung für das Streaming keine Rechtsverletzung ableiten lässt. Meinem Kenntnisstand nach wird dieser Paragraph aber immer dahingehend interpretiert, dass er sich auf temporäre Dateien bezieht, die im Zuge des Streamingverfahrens beim Vermittler entstehen. Damit sollen meinem Wissen nach die Provider aus der Schusslinie genommen werden, aber nicht die Nutzer (die ja nicht vermitteln). Ist das korrekt?

    2.) Beim Streamen handelt es sich unzweifelhaft um eine unkörperliche Vervielfältigung. Diese wird aber durch §15 UrhG überhaupt nicht im Zusammenhang mit einem Nutzungsrecht erfasst, d.h. die Erteilung eines Rechts zur flüchtigen unkörperlichen Vervielfältigung durch den Urheber ist im UrhG gar nicht vorgesehen. Es gibt zwar die unkörperliche Verwertung (§15b), allerdings taucht hier der Begriff der Vervielfältigung nicht auf. Die Vervielfältigung ist nur in §15a im Zusammenhang mit der körperlichen Form der Verwertung genannt. Wäre daraus ableitbar, dass Streamen, was definitiv keine körperliche Form der Verwertung darstellt, wegen mangelnder Erfassung in §15 gar nicht in den Bereich des UrhG fällt? Auch deswegen, weil es – nach vorstehender Darlegung – zwangsläufig auch keine unrechtmäßige Nutzung im Sinne des §44a sein kann, denn wie kann man gegen ein Recht verstoßen, was im UrhG gar nicht als ein solches genannt ist?

    (Oben Gesagtes zur unkörperlichen Vervielfältigung trifft natürlich nur dann zu, wenn der Browser-Cache auf Null gesetzt ist und somit keine Kopie auf der Festplatte vorliegt. Letzteres wäre ansonsten in der Tat eine körperliche Vervielfältigung. Bei der “Unkörperlichkeit” spreche ich also nur vom Durchlauf der Daten durch das flüchtige RAM.)

    Vielen Dank für die Beantwortung.

    • 1. Ja, das ist korrekt. Ich folge dieser Rechtsauffassung allerdings nicht. §44a UrhG erwähnt die Provider nicht einmal. Wieso soll die Norm also nur für Provider gelten?
      2. Dieser Gedanke war mir neu. Auf den ersten Blick finde ich die Idee auf jeden Fall “zur Nachverfolgung geeignet”, habe aber noch keine eigene Meinung dazu ;-)

      • Michael sagt:

        Vielen Dank für die prompte Beantwortung.

        Ich habe 2 Anmerkungen.

        Zu 1.) Im §44a, Satz 1 UrhG geht es ja um „Vervielfältigungen, ……..deren alleiniger Zweck es ist, eine Übertragung in einem Netz zwischen Dritten durch einen Vermittler ……… zu ermöglichen …..
        Dummerweise steht hier „Vermittler“, zu denen u.a. der Provider zählt, auch wenn er nicht explizit genannt ist. Würde dort z.B. stehen „…. um zwischen Dritten zu vermitteln ….“, dann wäre die Sache klar, denn dann würde dies auch für das RAM eines Rechners gelten und der Nutzer wäre fein raus.

        Demgegenüber steht aber Punkt 2, …..

        Zu 2.) …… nämlich der Umstand, dass das UrhG die unkörperliche Vervielfältigung überhaupt nicht mit einem Nutzungsrecht des Urhebers verbindet. §15, Absatz (1) trifft zur unkörperlichen Vervielfältigung keine Aussage, dort ist die Vervielfältigung nur als körperliche Form der Verwertung angesprochen, und zwar mit Hinweis auf das Recht der Vervielfältigung in §16. Dort wiederum wird aber nur das Vervielfältigungsrecht an sich erläutert. Auf die Form – körperlich oder unkörperlich – wird in §16 kein Bezug genommen. Da der Verweis auf §16 aber aus §15, Absatz 1 erfolgt, in dem nur von körperlicher Form die Rede ist, kann sich auch §16 konsequenterweise nur auf die körperliche Form beziehen, zumal in §16 von Vervielfältigungsstücken die Rede ist, was automatisch Körperlichkeit impliziert (was für den RAM eines Rechners nicht zutrifft).

        Ich würde mich freuen, wenn Sie nach Ihrer „Nachverfolgung“ Ihre gewonnene Meinung kundtun würden. Vielen Dank.

  8. Thomas sagt:

    Nur zum besseren Verständnis: Wie gelangt jemand an die Information, dass Nutzer einen Streaming-Dienst in Anspruch nehmen? Die Anbieter sind ja anscheinend nicht wirklich greifbar.

    • Guter Hinweis: Nur wenn man den Dienst selbst ermittelt, bekommt man auch dessen Nutzer (sofern der Dienst überhaupt IP-Adressen gespeichert hat). Das dürfte auch der Grund dafür sein, warum ich keinen Fall kenne, in dem ein Nutzer abgemahnt worden ist. In der Regel ist es auch so, dass es den Rechteinhabern gar nicht so sehr darum geht, die einzelnen Nutzer zu verfolgen. Sie haben dann ihr Ziel schon erreicht, wenn sie den Dienst selbst in die Knie gezwungen haben.

  9. Michael sagt:

    Mich würde interessieren, was einem blühen kann, wenn man beim Streaming oder auch beim Download erwischt würde. Im Gegensatz zum upload in Tauschbörsen, wo mit der Lizenzanalogie argumentiert wird (eben aus Ermangelung einer Möglichkeit zur Bemessung des tatsächlichen Schadens), kann doch beim Streamen/Downloaden der Schaden bis auf Heller und Pfennig genau angegeben werden. Er dürfte sich in Höhe des durchschnittlichen Kaufpreises einer entsprechenden CD/DVD bewegen (und zwar maximal – der Rechteinhaber verdient ja nicht in Höhe des Kaufpreises!)

    Fragen:

    1.) Könnte der Rechteinhaber hier auch auf die Anwendung der Lizenzanalogie pochen (was Ihm evtl. mehr Geld bringen würde)? Oder würden die Gerichte, da der Schaden ja sehr genau bestimmbar ist, den Schadensersatz in Höhe des tatsächlich entstanden Schadens (einige wenige Euro pro CD/DVD) ansetzen?

    32) Sofern dieser niedrige Schadensersatz zur Anwendung käme: Ist dies der Grund dafür, dass sich ein Verfolgen der Streamer/Downloader einfach nicht lohnt, sowohl nicht für die vertretenden Anwälte, denn der Streitwert wäre zu gering, als auch nicht für den Rechteinhaber?

    • Zu 1) ja, das könnte er. Der Schaden läge dann bei z.B. 4,99 €. So viel kostet das Anschauen eines Streams bei Itunes (ggfs. abzgl. ersparter Aufwendungen).
      zu 2) nein, das ist nicht der Grund. Der Grund liegt darin, dass nur der Anbieter des Streams die IP-Adressen der Nutzer kennt. Hat man aber erst einmal den Anbieter erwischt, ist der Dienst ohnehin down…

  10. Christian sagt:

    Hallo Herr Solmecke.

    Mir stellt sich die frage wie oft wurde schon ein Downloader eines OCH-Dienstes wie Rapidshare oder Megaupload abgemahnt?
    Und wie würde in einem solchen Fall der Schadesersatz liegen.

    gruß Christian

    • Bislang ist mir ein solcher Fall nicht bekannt. Der Schadensersatzanspruch beim Download dürfte beim Kaufpreis liegen. Teuer wird es erst durch die Abmahnung. Diese Kosten liegen bei ca. 500-1000 €, je nach Fall.

      • Michael sagt:

        Hallo Herr Solmecke,

        1.) käme im genannten Fall nicht die 100,- € Deckelung zur Anwendung? Denn ein Download ist doch nun wirklich ein extrem einfach gelagerter Fall.

        2.) ist es als realistisch einzuschätzen, das ein Downloader wegen eines Liedes oder eines Filmes tatsächlich abgemahnt wird? Der Rechteinhaber verdient ja – im Gegensatz zum Fall eines uploads und im Gegensatz zur Abmahnkanzlei – nun wirklich nicht daran (ein paar € eben).

        3.) wenn man nun beginnen würde, Downloader einzelner Lieder oder Filme abzumahnen (vorausgesetzt, man käme an deren IP), würde das nicht schlichtweg bedeuten, dass die Abmahnkanzleien (und keineswegs die Rechteinhaber) ein neues Geschäftsfeld für sich entdeckt hätten? Denn das Vertreten der Rechteinhaber wäre doch eher eine fadenscheinige Begründung.

        Danke und Grüße

        Michael

  11. Anonymus sagt:

    Hallo,

    ich schätze Ihre Aufklärungsarbeit sehr.

    Zu obiger Diskussion würde mich der neuste Stand interessieren:

    Gibt es (Stand 08.01.2011) bekannte Fälle von Abmahnungen oder anderem Vorgehen gegen Nutzer von Streaming (Sportübertragungen, Filme…) und One Click Hostern wie Rapidshare, Filesonic etc.?

    Wo könnte man sich denn verlässlich über den neusten Stand der Lage informieren?

    Liebe Grüße

  12. Anonymus sagt:

    Stand 08.01.2012 meinte ich selbstredend.

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